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Reinhard Schmidhagen
26 Okt 2014———31 Jan 2015

Reinhard Schmidhagen, Protest der Jugend / Die andere Front, 1937/38
Reinhard Schmidhagen, Protest der Jugend / Die andere Front (Detail), 1937/38

—————————— „Die Kunst hat zwei Aufgaben: Die Passion darzustellen und das menschliche Angesicht aufzubewahren“. Jahrhunderte später griff der Maler Kurt Weinhold diese Forderung Dürers an die Kunst auf und aktualisierte sie. Mit dieser Auffassung stand er nicht allein, wie das malerische und grafische Werk Reinhard Schmidhagens beweist.
Zahlreiche deutsche realistische Künstler blickten seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts zurück auf die Altmeister. Für den 1914 in Schalksmühle geborenen Künstler bedeutete die Passion nicht mehr die nur bildliche Erzählung der Leiden Christi. Vielmehr verstand er darunter die Darstellung der „Nachtseiten“ des Menschen, wie er sie beispielsweise in dem Überfall auf die spanische Stadt Guernica fand und in einem großen Zyklus festhielt. Es war ihm ein inneres Bedürfnis „die schrecknisse dieser stadt“ und die „haltung einzelner menschen – mütter, kinder, greise“ wiederzugeben.

 

Geschichtliche Situationen sowie sein persönliches Schicksal beeinflussen sein Schaffen nachhaltig. Seine ersten künstlerischen Arbeiten fielen fast mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten zusammen, was ihn schon bald zur inneren Emigration zwingt. Isoliert durch seine eigene Homosexualität und eine chronische Lungenerkrankungen, die schließlich zum frühen Tod 1945 führt, wandelt sich der eher unpolitische Schmidhagen zu einem glühenden Verfechter des Antifaschismus.
Wie viele andere, expressionistisch arbeitenden Kollegen, wird auch er als ‚entartet’ gebrandmarkt und mit einem Arbeits- und Ausstellungsverbot belegt.

Im April 1934 nimmt Schmidhagen an der Kunstakademie in München sein Studium auf, das er jedoch bereits 1935 wieder abbricht und stattdessen lieber nach Worpswede, in die Niederlande oder die Schweiz reist, um dort Künstlerkollegen zu treffen und Museen zu besuchen. Nach seiner Rückkehr nach München belegt er Holzschnittkurse bei Albert Falscheer und kreiert eigene Werke die an Edvard Munch, Ernst Barlach oder Käthe Kollwitz erinnern. Letztere stellt ein großes Vorbild für den jungen Künstler da, weshalb er sie in den 1940er Jahren mehrmals in ihrem Berliner Atelier besucht.
Bedrängt durch den zunehmenden Einfluss der Nationalsozialisten geht Schmidhagen ins Exil in die Schweiz, muss jedoch aus finanziellen gründen bereits 1938 wieder zurück nach Deutschland und bezieht ein Atelier in Marburg, wo er unter widrigen Bedingungen weiterarbeitet.

Zum Œuvre Schmidhagens gehören neben umfangreichen Grafikzyklen wie „Guernica“, „Die andere Front“ oder „Genius“ auch ausdrucksstarke Einzelblätter sowie zahlreiche Zeichnungen, Aquarelle und kleinere Ölgemälde. Hier finden sich vor allem Landschaftsdarstellungen, Porträts oder Stillleben, die bereits zu Schulzeiten entstanden und auf deren Motivschatz er kurz vor seinem Tod erneut zurückgreift.

Die Ausstellung auf Haus Kemnade zeigt nun einen kleinen Ausschnitt seines künstlerischen Schaffens und dokumentiert so einen bedeutenden Aspekt der städtischen Sammlung, die über ein großes Konvolut von Schmidhagens Arbeiten verfügt.

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