Welche Spuren hinterlassen Arbeit, Migration und Entfremdung in Menschen? Als ein Besucher des Kunstmuseum Bochum 1975 gefragt wurde, ob die Ausstellung Gastarbeiter — Fremdarbeiter von Vlassis Caniaris „ihn als Gastarbeiter korrekt repräsentiere“, erfand er für sich im Zeitungsinterview den Namen „Grentzelos“ und verweigerte sich einer eindeutigen Festschreibung. Auf ähnliche Weise widersetzte sich der Künstler Vlassis Caniaris zeitlebens einer einfachen politischen Vereinnahmung seiner Kunstwerke.
Vlassis Caniaris (1928–2011) gilt als einer der wichtigsten Wegbereiter der griechischen Nachkriegskunst. Ihn interessierte, wie Kunstwerke Zeugnisse gesellschaftlicher
Realitäten sein können. Er suchte einen empathischen Zugang dazu, was Ausbeutung mit Menschen macht und behielt dabei stets das Menschliche im Blick. Die Ausstellung Grentzelos versammelt Materialassemblagen, Figuren, Environments und „Räume“ von Caniaris, die in den 1960er- bis 1980er-Jahren entstanden und lädt ein, Raum für die Uneindeutigkeit menschlichen Seins zu bewahren. Zeitgenössische Werke von Working Class Daughters, Merve Kaplan und Erdem Teper erweitern die Ausstellung um heutige Perspektiven. Caniaris‘ historisch gewordene Figuren werden dabei zu Betrachter*innen der Gegenwart.