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WERK AUS DER MUSEUMSSAMMLUNG IN HAMBURG ZU SEHEN
Ab dem 11. September 2026 ist Max Pechsteins’ Gemälde Interieur von 1921 Teil der Ausstellung „Von Monet bis Picasso. Jüdische Kunstsammler:innen in Deutschland“ im Bucerius Kunstforum Hamburg. Das Kunstmuseum Bochum hat das Werk aus seiner Sammlung anlässlich der Ausstellung nach Hamburg verliehen. Die Ausstellung rekonstruiert 15 bedeutende Kunstsammlungen deutscher Jüdinnen und Juden vor 1945 und führt viele ihrer heute weltweit verstreuten Meisterwerke der Moderne wieder an einem Ort zusammen. Das Gemälde von Max Pechstein stammt aus der Sammlung des jüdischen Bochumer Ehepaars Paul und Clothilde Schüler. Die Schülers wurden 1942 von Bochum nach Riga deportiert und ermordet. Der Verbleib der Kunstsammlung Schüler ist bis heute nicht lückenlos geklärt und Gegenstand der Provenienzforschung.
Ein großer Teil der Kunstsammlung Schüler wurde nach dem Konkurs des Bankhauses von Paul Schüler im Juli 1932 eingesetzt, um die Gläubiger der Bank zu bedienen. Das Bankhaus bot seinen Gläubigern einen Vergleich an, in dem die Verteilung der Gemälde nach Werten geregelt war. Dieser wurde noch im Juli 1932 von den Gläubigern angenommen, womit das Verfahren abgeschlossen war und die Gemälde in das Eigentum der Gläubiger übergingen. Das Gemälde von Pechstein in der Sammlung des Kunstmuseum Bochum ist Teil dieses Konvoluts. Es ging an den Bochumer Dr. Alexi, der auch Teil des Gläubigerausschusses war. Seine Witwe verkaufte das Gemälde am 13.03.1957 an die Stadt Bochum, die zu dieser Zeit eine Sammlung aufbaute, um die Gründung des heutigen Museums vorzubereiten. Ein kleiner Teil der ehemals aus mindestens 195 Gemälden bestehenden Sammlung Schüler blieb auch nach dem Konkurs im Eigentum des Ehepaars und wurde 1941/1942 von der Gestapo kurz vor ihrer Deportation beschlagnahmt. Bis heute fehlt von diesen beschlagnahmten Bildern jede Spur.
„Als wir die Anfrage aus Hamburg bekommen haben, war für uns klar, dass wir diese wichtige Ausstellung mit unserer Leihgabe unterstützen möchten.“, so Noor Mertens, Direktorin des Kunstmuseum Bochum. „Da wir ohnehin aktuell mithilfe eines vom Deutschen Zentrum für Kulturgutverluste geförderten Forschungsprojekts die Provenienz der Werke in unserer Sammlung erforschen, freuen wir uns sehr, mit der Leihgabe zur Ausstellung in Hamburg und zur Rekonstruktion der Geschichte der Sammlung Paul und Clothilde Schüler beitragen zu können.“
Seit Mitte Dezember 2025 erforscht das Kunstmuseum Bochum die Herkunft der frühen Zugänge zur Sammlung des Hauses systematisch. Bei dem Forschungsprojekt geht es nicht um stichpunktartige Recherchen bei Verdachtsfällen, sondern um eine grundlegende Prüfung der Herkunft. Gemäß der Washingtoner Prinzipien sind deutsche Sammlungen aufgefordert, die genaue Herkunft ihrer Bestände zu überprüfen, unrechtmäßigen Besitz offenzulegen und gegebenenfalls zu restituieren. Auch die Stadt Bochum und das Kunstmuseum bekennen sich zu dieser Verpflichtung. „Für uns ist es selbstverständlich, dass wir proaktiv und ohne akuten Anlass, die Beforschung unserer Sammlung vorantreiben“, so Museumsdirektorin Noor Mertens.
ROSA, RADIKAL UND SELBSTBESTIMMTKunstmuseum Bochum zeigt große Retrospektive der Künstlerin Maria Pinińska-Bereś
Eröffnung: Fr, 23. Oktober, 19 Uhr, Eintritt frei
Im Herbst zeigt das Kunstmuseum Bochum mit Maria Pinińska-Bereś –
Under the Pink Flag eine große Retrospektive einer der außergewöhnlichsten Persönlichkeiten der polnischen Kunst des 20. Jahrhunderts. Die Ausstellung versammelt Skulpturen, Installationen und Performances aus fünf Jahrzehnten und zeichnet eindrücklich nach, wie konsequent Maria Pinińska-Bereś (*1931 in Poznań, † 1999 Kraków) ihren eigenen, unverwechselbaren Weg zwischen Kunst und Gesellschaftskritik verfolgte.
Im Zentrum ihres ebenso poetischen wie politischen Werks steht die Auseinandersetzung mit Weiblichkeit und den damit verbundenen gesellschaftlichen Zwängen. Subtil, humorvoll und erotisch erzählt ihre Kunst von der Komplexität eines Lebens innerhalb eines autoritären Systems. Als gelernte Bildhauerin experimentierte Pinińska-Bereś von Beginn an mit den Konventionen ihrer Disziplin: Sie ersetzte schwere, klassische Materialien durch Pappmaché, Stoff und Watte und erweiterte die Bildhauerei um Performances und Aktionen im öffentlichen Raum.
Wiederkehrendes und prägendes Element ihres Werks ist die Farbe Rosa – oft missverstanden als naiv oder harmlos, tatsächlich aber bewusst gesetzter Gegenpol zum omnipräsenten Rot im damals kommunistischen Polen. Bei Pinińska-Bereś steht Rosa für das Weibliche, das Häusliche, den Körper – und wird zum Ausdruck weiblicher Selbstbestimmung. Jahrelang stand Maria Pinińska-Bereś im Schatten ihres Mannes Jerzy Bereś, eines renommierten Bildhauers und Performancekünstlers, dessen Werke auch in der Sammlung des Kunstmuseum Bochum vertreten sind. Mit dieser Retrospektive erhält sie nun die Anerkennung, die ihr lange verwehrt blieb.
MAKE NEW CREATURES TOGETHERFest für Takako Saito
Takako-Fest am Samstag, 30. Mai 2026, 13 – 16 Uhr (Eintritt frei)
Am Samstag, den 30. Mai verabschieden wir uns gemeinsam von Takako Saito und würdigen diese große Künstlerin, die im September 2025 im Alter von 96 Jahren verstorben ist. Auf Initiative von Freund*innen Takakos, laden wir gemeinsam auf die Dachterrasse zu Performances und Aktionen ein, die im Sinne von Takako ihr Prinzip you and me feiern.
Ende der 1970er Jahre fand auf dem Vorplatz des Kunstmuseums, vor der damaligen Galerie Inge Baecker Takakos erste öffentliche Performance statt. 2023 zeigte sie im Kunstmuseum Bochum ihre letzte große Ausstellung, Pi – Pi, po – po – Ein Portrait von Takako und begeisterte das Publikum mit ihren interaktiven Performances Kopfballtheater, Weinschach und HA, HA, HA, HO, HO, HO – OPERA.
In ihrem Testament hat sich Takako statt einer großen Beisetzung ein lebenslustiges Zusammenkommen im Frühjahr gewünscht. Diesem letzten Wunsch kommen wir nach und laden zu You & Me Portraits, Picknick, Performances, Memory Shop und Aktionen ein.
In Takakos letzten Worten: Let’s make new creatures together!
Takako Saito (* 1929 in Sabae-shi; † 2025 in Düsseldorf)
Takako Saito wurde 1929 in Sabae-Shi, Japan geboren. Ende der 1940er Jahre studierte sie Kinderpsychologie an der Japan Women’s University Tokio. Um diese Zeit beteiligte sie sich an der Bewegung „Creative Art Education“ in Japan, die nach dem Zweiten Weltkrieg von Teijiro Kubo zur Förderung der Kreativität durch freien, eigenen Willen gegründet wurde. Später ging sie nach Tokio und von dort aus 1963 nach New York, wo sie erstmals mit der Fluxus Bewegung in Berührung kam. Über den Künstler Ay-O, den sie bereits aus Japan kannte, lernte sie unter anderem George Maciunas, den Gründer der Fluxus-Bewegung kennen und Alison Knowles, deren Zwillinge sie hütete. Mit ersten Multiples beteiligte sich Takako Saito an Fluxus Aktionen. Zwischen 1968 und 1979 folgten Reisen und mehrjährige Aufenthalte in Italien und Frankreich, wo sie mit George Brecht und Robert Filliou arbeitete, sowie nach England zum Verlag Beau Geste Press um Künstler*innenbücher zu publizieren. 1979 zog sie nach Düsseldorf und lehrte einige Jahre im Bereich Spiel und Textilgestaltung in Essen. Die Kunstwerke der bis zuletzt höchst produktiven Ausnahmekünstlerin wurden auf der ganzen Welt gezeigt und sind weltweit u.a. in Sammlungen des Museum of Modern Art in New York oder im Centre Pompidou in Paris, im Museum Ludwig in Köln sowie im Kunstmuseum Bochum vertreten.
Nachruf Takako Saito (1929-2025)
Takako Saito brachte das Leben in die Kunst und umgekehrt, die Kunst ins Leben. Nun ist eine außergewöhnliche Künstlerin von uns gegangen. Vergangene Woche verstarb Takako Saito im Alter von 96 Jahren in Düsseldorf.
Wir hatten das Glück mit Takako Saito zusammenzuarbeiten und 2023 ihre große Einzelausstellung „Pi-Pi-po, po – Ein Portrait von Takako“ einem begeisterten Publikum zu zeigen. Die Begegnungen während Takakos Performances Wine Chess & Canapé Chess, dem Kopfballtheater und ihrer Performance HA, HA, HA, HO, HO, HO. OPERA bleiben uns in lebhafter Erinnerung. Wir sind dankbar, dass wir Takako Saito erleben durften – als Künstlerin, als Performerin, als Mitspielerin. Ihr Humor und ihre Ideen werden weitere Generationen inspirieren.
Neue Angebote im Museum: Kunst für die ganze Familie
Wir freuen uns, Ihnen unsere neuen Formate vorzustellen, die ab sofort regelmäßig angeboten werden:
Elternzeit mit Kunst
Jeden ersten Donnerstag im Monat laden wir Eltern mit ihren Kleinsten (0–2 Jahre) zu einer entspannten Führung durch das Museum ein. Gemeinsam entdecken wir Kunstwerke und tauschen uns aus – ganz ohne Stress. Stillen, Füttern und Wickeln sind während der Führung selbstverständlich möglich. Im Anschluss bietet das Museumscafé Raum für Gespräche bei einem Getränk. Kinderwagen und Tragetücher sind herzlich willkommen!
Eine Anmeldung ist erforderlich.
>> Mehr Informationen
Führungen für Kinder und Erwachsene
Ab sofort finden an jedem ersten Sonntag im Monat unsere beliebten Führungen für Kinder und Erwachsene statt. In kindgerechter Sprache gestalten wir ein gemeinsames Kunsterlebnis, das Spaß macht und inspiriert. Eingeladen sind alle – ob mit Kindern oder ohne. Die Teilnahme ist im Museumseintritt enthalten. Eine Übersicht der einzelnen Termine und Ausstellungen, die im Rahmen der Führung besucht werden, finden Sie hier in unserem Veranstaltungskalender.
Wir freuen uns darauf, Sie und Ihre Familie bald bei uns begrüßen zu dürfen!
Bibliothek im Kunstmuseum öffnet ihre Pforten
Pünktlich zum Jubiläum unseres Neubaus im November 2023 wurde die von der Künstlerin Terry Haas gestaltete Bibliothek des Kunstmuseums wieder öffentlich zugänglich gemacht. Ab sofort kann in der gemütlichen Atmosphäre der Bibliothek gearbeitet, gelesen und recherchiert werden. In der Bibliothek im zweiten Obergeschoss stehen sowohl Tische zum Arbeiten als auch Sessel zum gemütlichen Lesen zur Verfügung. Der Bibliotheksbestand umfasst aktuelle und historische Lektüren zu Künstler*innen und Ausstellungen. Vor Ort kann in den Publikationen gestöbert werden, die Bibliothek steht aber auch unabhängig davon als Ort zum Lesen, Lernen oder Arbeiten zur Verfügung.
Museum und Bibliothek sind von der Innenstadt Bochums aus fußläufig zu erreichen und im Museumscafé kann sich in der Lernpausen mit Kaffee, Kuchen und Gebäck gestärkt werden.
ÖFFNUNGSZEITEN DER BIBLIOTHEK
Mittwoch 12 – 19 Uhr
Donnerstag 12 – 17 Uhr
Freitag 12 – 17 Uhr
Die Öffnung der Bibliothek wird durch das ehrenamtliche Engagement Vieler ermöglicht. Wer Lust hat, Teil des Bibliothekteams zu werden, kann sich gerne melden, unter: kunstmuseum@bochum.de.
Der Freundeskreis des Museums, die Kunst- und Museumsgesellschaft e. V. (KUMG), unterstützt die Öffnung aktiv. Die KUMG finanzierte die Möblierung, Vitrinen und Inventarisierung des Bibliothekbestands.
Kunstmuseum ist Denkmal
Gute Nachrichten für das Kunstmuseum! Der Neubau des Museums – entworfen von den renommierten dänischen Architekten Jørgen Bo und Vilhelm Wohlert und 1983 eröffnet – ist unter Denkmalschutz gestellt. Damit wird der Bau als herausragendes architektonisches und kulturelles Zeugnis der Nachkriegsmoderne gewürdigt.
Die Errichtung des Museums in den frühen 1980er-Jahren stellt einen Meilenstein im kulturellen Selbstverständnis der Stadt Bochum: ein Zeichen des Aufbruchs nach der Bergbaukrise und ein starkes Bekenntnis zu Bildung und Kultur. Mit seiner markanten Tombakverkleidung, den lichtdurchfluteten Räumen und der charakteristischen Rampe, die alle Museumsbereiche erschließt, gilt das Gebäude heute als eines der bedeutendsten Beispiele moderner Museumsarchitektur in Deutschland.
Der damalige Museumsdirektor Dr. Peter Spielmann brachte die architektonische Leitidee prägnant auf den Punkt: Das Museum sollte „kein Tempel oder Ort der Repräsentation“, sondern ein „Haus mit Werkstattcharakter“ sein. Bis heute prägt dieser Anspruch unsere Arbeit. Das Museum ist nicht nur Ausstellungsort, sondern ein lebendiger Ort der Begegnung – mit einer Architektur, die Offenheit, Transparenz und Dialog verkörpert.
Prägend für den Museumsbau ist nicht zuletzt die außergewöhnliche Verbindung von Architektur und Kunst: Gebäude vereint architektonische Elemente mit eigens geschaffener „Kunst am Bau“, sogenannter „integrierter Kunst“ – darunter Werke von Mogens Andersen, Max Bill, Terry Haass, Endre Nemes und Wolf Vostell. Diese enge Verbindung von Bau und Kunst war bereits im Entstehungsprozess zentral und spiegelt die Idee eines demokratisch gedachten Museumsraums wider.
Wir freuen uns sehr über die nun erfolgte Würdigung des Museumsneubaus, der damit die bereits unter Denkmal stehende Villa Marckhoff-Rosenstein ergänzt. Im Zuge der Unterschutzstellung sind gemeinsam mit der Unteren Denkmalbehörde in den kommenden Jahren verschiedene Erhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen geplant, um das Museum denkmalgerecht in die Zukunft zu tragen. Als nächster Schritt wird ein Leitfaden erarbeitet, um notwendige Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten des Museums in den nächsten Jahren vorzubereiten, ohne dass die denkmalwerten Elemente verloren gehen.
Fotos: Heinrich Holtgreve
Kunstwerke rund um das Museum erleben
Bei einem Spaziergang rund um das Museum und im angrenzenden Stadtpark kann man viele spannende Kunstwerke erleben. Hier finden Sie Informationen und Bilder der Werke in der Nachbarschaft des Kunstmuseums – wir laden Sie herzlich ein zu einem virtuellen Rundgang und – wenn Sie Zeit und Lust haben – zu einer wirklichen Erkundungstour.