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Zeitgenössische Fotokunst aus Südafrika
15 Sep 2007———4 Nov 2007

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Guy Tillim, Mbulelo at the bar he runs in a house in Joel Road, Berea, Downtown Johannesburg, 2004

—————————— Im Jahr 2004 stand die zeitgenössische Kunstszene Südafrikas im Fokus unserer großen Ausstellung „New Identities“. In der Vorbereitung und auch im Nachklang zu dieser Ausstellung ist ein reger Austausch zwischen deutschen und südafrikanischen Museumskolleginnen und Kollegen entstanden. Eine große gemeinsame Ausstellung deutscher und südafrikanischer Künstler ist für 2010 geplant. Die diesjährige Fotoausstellung, in der auch Künstler aus „New Identities“ wieder vertreten sind, ist allerdings Teil einer Kooperationsreihe mit dem Neuen Berliner Kunstverein (NBK), in der wir bereits zeitgenössische Fotokunst aus Japan und aus der Schweiz präsentiert haben.

Die Ausstellung soll einen Eindruck von den höchst unterschiedlichen Wegen vermitteln, auf denen im heutigen Südafrika Fotokünstler eine radikal veränderte Welt erkunden. Dabei will sie zeigen, wie sich die Fotopraxis in Südafrika im Wandel der letzten Jahre verändert hat. Nach einer langen Zeit der politischen Isolation haben die südafrikanischen Fotografen inzwischen wieder Anschluss an die internationale Kunstentwicklung gefunden.

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Santu Mofokeng, Democracy is Forever, 2003

Heute spielt die Fotografie eine wichtige Rolle in der zeitgenössischen südafrikanischen Kunst. Ihr Interesse gilt ganz unterschiedlichen Themen und Ausdrucksmöglichkeiten. Sie kreisen sowohl um die Schilderung der südafrikanischen Wirklichkeit der Post-Apartheid Periode mit ihrem Kampf gegen gewaltige Probleme, wie zum Beispiel AIDS und Kriminalität, als auch um Fragen, die sich mit Herkunft und Tradition, Erinnerung und Vergessen, Multikulturalität und Geschlechterrollen auseinandersetzen. Der langjährigen Praxis des politischen Dokumentarismus entwachsen findet hier eine verstärkte Hinwendung zu scharfer Beobachtung des südafrikanischen Alltags, des sozialen Milieus und des gesellschaftlichen Wandels auf dem Weg des nationalen Selbstfindungsprozesses statt, die durch eine Vielfalt von individueller Bildästhetik vermittelt wird.

Die Kuratorin der Ausstellung, Pam Warne, gab der Ausstellung die Überschrift „Reality Check“, die so viel wie „Realitätsüberprüfung“ bedeutet. Sie meint damit, dass ein aus jahrelanger Psychose erwachtes Südafrika mit der umgebenden Realität konfrontiert wird und sich damit abfinden muss, statt sie zu negieren oder sich Illusionen hinzugeben. Die Fotografie übernimmt gewissermaßen die Funktion eines Transkripts der Gegenwartshistorie.

Neben den älteren und international etablierten Fotografen, wie David Goldblatt und Santu Mofokeng, werden Werke von Vertretern der jüngsten Künstlergeneration, wie Mikhael Subotzky und Nontsikeleo „Lolo“ Veleko, präsentiert. Ohne den Anspruch zu erheben, einen umfassenden Überblick der zeitgenössischen südafrikanischen Fotokunst darbieten zu wollen, zeigt die Ausstellung dennoch einige ihrer wichtigsten Aspekte. Guy Tillim arbeitet mit seriellen Realitätfragmenten und berichtet über den Verfall des urbanen Raums; Andrew Tshabangu dokumentiert die Lebensumstände der schwarzen Bevölkerung von Johannesburg unter dem Aspekt wie Traditionalität oder Spiritualität; Mikhael Subotzky analysiert und kommentiert die Situation in den Gefängnissen und deren Rolle in einer multirassischen Gesellschaft; Jo Ractliffe operiert mit der Verbindung zwischen dokumentarischer Sicht und surrealistischer Entfremdung; Santu Mofokeng fotografiert Werbetafeln, die auf skurille Weise in Kontrast zu ihrer Umgebung stehen, oder schildert metaphorische Szenen in einer poetischen visuellen Sprache; Nontsikeleo „Lolo“ Veleko untersucht Fragen der Konstruktion von Identität in einer sich radikal verändernden Gesellschaft, insbesondere der Stereotypen von jungen schwarzen Stadtbewohnern; Zanele Muholi beobachtet mit ihren sozial engagierten Aufnahmen Zeugnisse der physischen und emotionalen Bedrängnis der schwarzen Lesben; Pieter Hugo zeigt Personen am Rande der Gesellschaft oder macht süffisante Kommentare zum Kolonialerbe und seine weiterhin lebendigen rassistischen Ansichten; Jean Brundrit verweist mit ihren Photogrammen auf Fragen der persönlichen Sicherheit und bestimmten Verhältnisse zur Geschlechtsidentität; Lien Botha erzielt mit ihren comicstripartigen Verankerungen von Landschaft und Text kontrastreiche Narrationen des afrikanischen Schematismus; Bridget Baker schafft konzeptuelle Fotowerke mit ikonografischer Schlichtheit, und „Altmeister“ David Goldblatt schließlich stellt kritische Betrachtungen über den südafrikanischen Alltag an und schildert Menschen und Landschaft gleichermaßen mit „kühler Leidenschaft“.

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David Goldblatt, Entrance to Lategans Truck Inn on the N1 in the time of Aids, Laingsburg. Western Cape. 14 November 2004, 2004

Die Ausstellung erhielt eine finanzielle Unterstützung der DaimlerChrysler AG – Kunstbesitz und des Intituts für Auslandsbeziehungen (ifa) aus Mitteln des Auswärtigen Amtes.

Weitere Stationen der Ausstellung sind Berlin, Chemnitz und Sindelfingen.

Der Katalog, der in Zusammenarbeit mit der Edition Braus im Wachter Verlag GmbH, Heidelberg, erscheint und während der Ausstellung 19 Euro kostet, ist Teil des Konzepts, die Fotokunst der Gegenwart mit einer fortgeführten Serie von Publikationen vorzustellen. Die Textbeiträge stammen von Pam Warne und Patricia Hayes aus Kapstadt.

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