Inhalt

Hier finden Sie aktuelle Meldungen aus dem Kunstmuseum Bochum

Aktuelle Corona-Hinweise zum Museumsbesuch
Im Kunstmuseum als städtischem Gebäude gilt die Maskenpflicht (medizinisch oder FFP2).

Stand Juli 2022

Sommerferien-Workshops 2022

Wir freuen uns auf die Sommerferien. Endlich schulfrei mit viel Zeit, mal etwas Neues auszuprobieren. Wir haben uns ein tolles, erlebnisreiches Programm ausgedacht, in dem Du mit den unterschiedlichsten Materialien und Techniken experimentieren kannst. Die Angebote richten sich an Schüler:innen von der ersten bist zur neunten Klasse. Auch für Vorschulkinder ist etwas dabei und zum ersten Mal auch ein Workshop für Kindergartenkinder mit ihren Eltern. Du kannst mit einem meterlangen Pinsel malen, einen Film drehen oder die Druckwerkstatt besuchen, dich verkleiden, mit Pflanzen malen und vieles mehr. Komm vorbei, wir freuen uns auch dich und deine Freund:innen.

Für alle Workshops ist eine Anmeldung erforderlich, und zwar per E-Mail unter Angabe der Kontaktdaten an kunstvermittlung@bochum.de

Das komplette Angebot befindet sich hier:
Sommerferien-Workshops 2022

Museumsteam trauert um Ulrich Froese

Das Team des Kunstmuseums Bochum trauert um den Kunstfreund und langjährigen Unterstützer Ulrich Froese. Als Geschäftsführer der Augusta-Kliniken in Bochum und Hattingen war Ulrich Froese dem benachbarten Kunstmuseum über viele Jahre hinweg eng verbunden. Er gehörte zu den Initiatoren des Freundeskreises, der seit dem Ende der 1990er Jahre das Museum mit Rat und Tat unterstützt hat. Vor allem sein Beitrag zum Gelingen der vielbeachteten Ausstellung „New Identities. Zeitgenössische Kunst aus Südafrika“, die 2004 in Bochum gezeigt werden konnte und anschließend noch Station in Pretoria und Johannesburg machte, bleibt unvergessen. Hier trafen sich seine Leidenschaft für Kunst und sein Engagement, Brücken und Partnerschaften zwischen Südafrika und Deutschland zu vermitteln.  2010 war er Mitbegründer der Kunst- und Museumsgesellschaft Bochum e.V. und führte viele Jahre lang als erster Vorsitzender den Verein. Als Sammler und Kunstkenner war für Ulrich Froese die Förderung der bildenden Kunst in Bochum immer eine Herzenssache, die vielen Kunstwerke in den Räumlichkeiten und in den Parkanlagen des Augusta-Krankenhauses zeigen dies sehr anschaulich. Das Kunstmuseum verliert mit Ulrich Froese einen wichtigen Freund und einen Förderer der zeitgenössischen Kunst.

Eröffnung "The Sound Is Where?"

Am 22. Mai eröffnet der Kunstverein Bochum auf Haus Kemnade die Ausstellung „Kemnade klingt! 2022: Sounding Bochum“. Zu diesem Festival für klangbasierte Kunstformen assoziiert ist das Projekt „The Sound Is Where?“, das bereits einen Tag vorher im Kunstmuseum Bochum eröffnet wird.

Els Viaene: Mamori Expedition

Park Promenaden: Natur - Denkmal - Kunst

Unter dem Motto „Natur – Denkmal – Kunst“ eröffnen die Park-Promenaden der Kunsthistorikerin Elisabeth Kessler-Slotta Einblicke in den denkmal-geschützten Stadtpark. Angelegt 1876 im Stil eines englischen Gartens zählt der Bochumer Stadtpark zu den ältesten Landschaftsgärten im Ruhrgebiet. Die Park-Promenade widmet sich der außergewöhnlichen Bepflanzung und führt zu den unterschiedlichen Kunstwerken.

Treffpunkt ist um 11 Uhr am Kunstmuseum, Kortumstraße 147, die Teilnahme ist kostenlos.

Termine: 05.Juni, 10.Juli und 21.August

Eröffnung "Das Raunen der Sammlung"

Am 06. Mai um 19 Uhr findet die Eröffnung der Ausstellung „Das Raunen der Sammlung – Zeichnung und Graphik Teil1“ statt.
Wenn Werke aus der Museumssammlung zusammenkommen, wann und wie kommunizieren sie untereinander und mit den Besucher:innen? Das ist die Leitfrage dieser zweiteiligen Ausstellung, die sich mit der graphischen Sammlung des Museums auseinandersetzt. Beide Ausstellungsteile haben ein eigenständiges Profil und zeigen eine Auswahl verschiedener Schwerpunkte. Der erste Teil findet von Anfang Mai bis Mitte Juni statt. Am 25. Juni leitet ein Sommerfest den zweiten Teil ein, der bis Ende August in den großen Ausstellungsräumen des Museums gezeigt wird. Außerdem werden, als Teil des Konzepts, Künstler:innen von außerhalb eingeladen, in die Präsentation und in die Museumsarchitektur zu intervenieren.

Eröffnung "Warum ist nicht alles schon Verschwunden?"

Ingeborg Lüscher, Das Bernsteinzimmer, 2003, Installation, 9000 Stück SOLE-Seife, 400x400 cm

23. November 2021

Am 3. Dezember um 19 Uhr wird die neue Ausstellung „Warum ist nicht alles schon verschwunden?“ eröffnet. Die monumentale Installation „Das Bernsteinzimmer“ von Ingeborg Lüscher bildet dabei den Ausgangspunkt. Daneben werden Arbeiten von Joelle Tuerlinckx, Alexandra Bircken, Silvia Bächli, Laure Prouvost und Zofia Kulik präsentiert. Die Ausstellung läuft bis zum 13. März 2022.

RuhrKunstUrban fantastische Tierwesen im Tierpark + Fossilium Bochum

Foto©TPBO: (v.h.l) Ralf Slabik (Zoodirektor, Tierpark + Fossilium Bochum), Kerstin Kuklinski (Kunstvermittlerin, Kunstmuseum Bochum), Lea Szramek (Kunstvermittlerin, Kunstmuseum Bochum) und Noor Mertens (Direktorin, Kunstmuseum Bochum) weihen gemeinsam mit den Kindern der Bochumer Kita Kinderglück e.V. – unter der Leitung von Stefan Ruffer – die Anlage der neuen fanstatischen Tierwesen im Tierpark + Fossilium Bochum ein.

22. November 2021

Neun Kinder der Kita Kinderglück haben seit März 2021 begleitet von den Kunstvermittlerinnen Kerstin Kuklinski und Lea Szramek an diesem Projekt gearbeitet. Ausgehend von dem Kunstwerk »Der Sündenbock« des Künstlers CONSTANT, welches allerlei seltsame Tierwesen zeigt, haben wir über die künstlerische Freiheit gesprochen alles auch mal anders zu denken und zu malen. Kinder und Jugendliche lernen ausgehend von Kunstwerken der Sammlung des Kunstmuseum Bochum künstlerische An- sätze und Strategien kennen, die sie unterstützen und anregen, den Stadtraum bewusst wahrzunehmen und aktiv auf diesen einzuwirken. Neben der Schule und Kindergarten als vertrau- tem und dem Museum als außerschulischem Ort, wird der Tier- park + Fossilium Bochum in der Stadt zum »Dritten Ort«.

Das Museum ist offen und wir feiern

23. August 2021

Kunst, Kaffee und gutes Wetter sorgten am vergangenen Sonntag für ein gelungenes Museumsfest. Knapp 1200 Besucher*innen tummelten sich auf den unterschiedlichen Ebenen des Hauses. Im Vermittlungsatelier wurde fleißig selber kreativ gearbeitet und mehrere Künstler*innengespräche auf der etwas versteckten Terrasse, haben neue Einblicke in die Bochumer Kunstszene gegeben. Mit Eis, Kuchen und Kartoffelwaffel konnte man im Forum und auf der Terrasse am Eingang gemütlich entspannen. Für den krönenden Abschluss sorgte Guy Dermosessian mir seiner Outdoor DJ Set Einlage. Auch der plötzlich einsetzende Regen konnte die Stimmung nicht trüben. Hier ein paar Impressionen und wir bedanken uns bei allen, die diesen Tag möglich gemacht haben.

Nachruf Inge Baecker (1943 – 2021)

Bochum, 20. Juli 2021

Heute erreichte uns die traurige Nachricht, dass Inge Bäcker in der vergangenen Woche verstorben ist. Die gebürtige Bochumerin gründete 1970 eine Galerie für Avantgarde-Kunst, die sie mit großem Engagement und Sachverstand leitete. Inge Bäcker präsentierte viele internationale Vertreter*innen konzeptueller und intermedialer Kunst zum Teil erstmalig in Deutschland. Ihre von 1972 bis 1979 im Ruhrpark Einkaufszentrum veranstalteten sechs „Kunstwochen“ sind mittlerweile Legende, wie auch die große Ausstellung „Sehen um zu hören – Objekte und Konzerte zu visueller Musik der sechziger Jahre“ im Jahr 1975 in der Kunsthalle Düsseldorf.

Wolf Vostells einbetonierte Verkaufstheke „Olympia-Hymne“, das „TV-Cello“ von Nam June Paik und Mauricio Kagels „Beethovenzimmer“, verschiedene Werke von Allan Kaprow, alle Teil der Sammlung des Museums, zeugen von der engen Verbindung zwischen der Galerie Inge Bäcker und dem Kunstmuseum und zeigen gleichzeitig Bäckers Pioniergeist. 2012 organisierte das Museum die Ausstellung  „Inge Baecker Bochum – Fluxus Ruhrgebiet“, wobei anhand ausgewählter Exponate die zwölf Jahre der Galerie in Bochum nachgezeichnet wurden.

Ein gutes Beispiel für Inge Bäckers weitsichtige und experimentierfreudige Haltung geht aus einem Telegramm hervor, das Allan Kaprow 1975 an Wolf Vostell schickte:

‚Dear Wolf, Im am looking forward to my first single exhibition in Germany, the gallery Baecker. I know she has your favourite works. Is it true that she offers Dick Higgins, Vautier, AL Hansen, Borris Lurie, Cage, KP Brehmer, Badura, Mauricio Kagel, Burkhardt, and Arman? Hope to see you in Bochum. Yours, Allan Kaprow“

Inge Bäcker, 1970er Jahre © Hartmut Beifuß

Zu Pfingsten hatte sich die „Fingerhutkirche“ der Evangelischen Kirchengemeinde Bochum-Wiemelhausen Chen Ruo Bing auf besondere Weise genähert. Der hierbei entstandene Film ist nun auch in der Rubrik Filme zur Sammlung zu sehen.

Ab sofort wieder spontan ins Museum!

Mit Erreichen der Inzidenzstufe 1 in Bochum entfällt ab dem 14. Juni die Verpflichtung, vorab einen Termin zu buchen. Für die Rückverfolgbarkeit muss allerdings weiterhin ein Kontaktformular ausgefüllt werden. Auch das Einchecken über die Recover-App ist möglich

Im gesamten Innenbereich gilt weiterhin Maskenpflicht.

„Soft Opening“ und Finissage

Die aktuelle 7-Tage-Inzidenz in Bochum lässt es zu, dass wir einen weiteren kleinen Schritt hin zu normalem Museumsbetrieb machen können.

Friederike Klotz – INWIEFERNO

Leider ist noch keine große Eröffnung im Forumssaal möglich (jedenfalls nicht, solange wir keine festen Sitzplätze für den Abend zuweisen) und der Ausstellungsbereich im Erdgeschoss limitiert von der Fläche her die erlaubte Besucherzahl. Für eine kleine Zahl von Gästen können wir allerdings ein Soft Opening in Anwesenheit der Künstlerin anbieten, und zwar am Freitag, 11.6., von 18-22 Uhr. Es ist unbedingt eine Terminbuchung erforderlich. Zum Buchungsportal

Am ersten Öffnungstag, 12.6., wird Friederike Klotz im Laufe des Nachmittags ebenfalls anwesend sein. Bitte buchen Sie auch hier möglichst vorab ein Zeitfenster.

Zuhause – Vonovia Award für Fotografie 2020

Die Ausstellung endet am Sonntag, 13.6. – Am Samstag, 12.6., finden daher noch Gespräche mit PreisträgerInnen und ShortlistkandidatInnen statt. Den genauen Zeitplan finden Sie hier. Bitte buchen Sie auch hier vorab ein Zeitfenster.

Mittwoch wieder bis 20 Uhr geöffnet! 

Nachdem wir zwischenzeitig die Öffnungszeiten vereinheitlicht hatten, kehren wir nun im Juni wieder zum langen Mittwoch zurück. Ab sofort gelten also wieder die Öffnungszeiten:

Di-So 10-17 Uhr, Mi 10-20 Uhr

An Fronleichnam, 3. Juni, ist das Kunstmuseum Bochum ebenfalls von 10-17 Uhr geöffnet.

Bitte buchen Sie vorab Ihr Zeitfenster.

Neustart für die Bilderforscher. 

Schon seit 5 Jahren Jahren sind die Bilderforscherkunstkurse ein fester Bestandteil des Kursangebotes für Kinder im Kunstmuseum Bochum. Coronabedingt konnte dieses Format jetzt fast ein Jahr nicht mehr stattfinden. Umso größer war die Freude bei den Kurskindern und der Kursleiterin Maika Letizia Wolff, dass es nun zumindest digital weiter gehen kann.

Dazu haben alle Kinder einen Überraschungsbrief mit Materialien bekommen und treffen sich nun einmal in der Woche digital, um miteinander kreativ zu werden.

Im ersten Online-Workshop entstanden zahlreiche tolle „Dot-Paintings“ mit Wattestäbchen.

Urs Jaeggi und das Kunstmuseum Bochum

Am 13. Februar 2021 verstarb der Soziologe, Schriftsteller und bildende Künstler Urs Jaeggi in Berlin. Er hatte viele Verbindungen nach Bochum, wo er Ende der 1960er Jahre lebte und als Professor für Soziologie an der Ruhr Universität wirkte. Besonders eng war seine Beziehung zum Kunstmuseum. Schon in den 1960er Jahren suchte er den Kontakt und vermittelte dem damaligen Museumsdirektor Peter Leo eine Ausstellung des Schweizer Bildhauers Oscar Wiggli. Zur Eröffnung des Museumsneubaus im Oktober 1983 hielt Jaeggi die Festrede zum Thema Utopie und Kunst. Wenig später wandte er sich selbst intensiv der Malerei und später auch der Bildhauerei zu, 1989 nahm Jaeggi an der großen Ausstellung „Wo bleibst Du, Revolution? Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit heute“ mit einer Installation teil, im Katalog zur Ausstellung publizierte er das hierzu verfasste Prosa-Gedicht „Citoyens“. Aus diesem Kontakt mit dem Künstler resultierte dann 1991 die umfangreiche Ausstellung „Urs Jaeggi – Figuren“, die von Bochum organisiert anschließend noch in Berlin und in Olten in der Schweiz gezeigt wurde. 1993 wurde seine bislang größte Eisenskulptur „Chaib“ auf der Wiese vor der Villa Marckhoff aufgestellt.

Skulptur "Chaib" vor dem Kunstmuseum, ca. 2000 Copyright: Presseamt Stadt Bochum

„Chaib“, aus dem Schweizerdeutsch übersetzt „Kerl“ oder „knorriger Typ“, steht heute vor dem Gebäude des Ottilie-Schönewald-Weiterbildungskollegs. Jaeggi schenkte es der Stadt, als prominenter Absolvent des zweiten Bildungswegs war er mit diesem Ort der Neuaufstellung sehr zufrieden und kam zur Einweihung, um mit den Studierenden des Kollegs zu diskutieren. Er blieb dem Kunstmuseum bis zuletzt verbunden, seine Tätigkeit als bildender Künstler war ihm in seinen letzten Lebensjahren immer wichtiger geworden.

Portraitfoto Urs Jaeggi im Ottilie-Schönewald-Weiterbildungskolleg 2008 Copyright: Heinrich Brinkmöller-Becker, Bochum

Hans Günter Golinski nimmt Abschied

Liebe Kunstfreund*innen,

meine nun mehr als dreißig Jahre dauernde Amtszeit am Kunstmuseum Bochum endet am 31. Dezember.

Am 1. Juli 1989 habe ich die Stelle des Kustos für die Bochumer Kunstsammlung angetreten und zum 1. November 1997 die Leitung des Museums übernommen – eine für mich sehr gute Zeit in meinem Leben, auf die ich gerne zurückblicke.

Dass ich mich all die Jahre im Haus am Stadtpark verortet fühlte und mich beruflich verwirklichen konnte, habe ich vielen Menschen zu verdanken, die sich aus unterschiedlichsten Motiven für Kunst und Kultur engagierten und engagieren.

Allen voran den Künstleri*nnen, den Kolleginn*en aus der Kunst- und Museumsszene sowie im eigenen Hause, der Bochumer Stadtverwaltung und Politik, den Sammler*innen, Förder*innen und Mitstreiter*innen und insbesondere den Besucher*innen danke ich für ihre langjährige Unterstützung. Ich empfand von Beginn an, dass in Bochum ein besonderes Klima für die Künste existiert – auch in trüben und scheinbar ausweglosen Momenten.

So schaue ich höchst optimistisch in die Zukunft des Bochumer Kunstmuseums, wohl wissend, dass durch Corona keine leichten Zeiten auf uns zukommen.

Neben der Verortung des Kunstmuseums in der Stadtgesellschaft war mir die Vernetzung innerhalb der einzigartigen Museumsszene des Landes NRW sehr wichtig und dabei die der Museen des Ruhrgebietes insbesondere. Im Vorfeld des Kulturhauptstadtjahres 2010 haben wir Kolleginn*en der benachbarten Städte den Verbund der RuhrKunstMuseen ins Leben gerufen – mittlerweile eine kulturpolitische Kraft. Gerade in dieser für die Kultur so schweren Zeit kommt dieser Vereinigung eine wichtige Bedeutung zu

Besonders freue ich mich, die Stafette zeitnah meiner Nachfolgerin Noor Mertens weiterreichen zu können, die mir das Vertrauen auf eine sich positiv weiterentwickelnde Perspektive des Hauses gibt. Sie wird ihr Amt ab dem 1. Juni 2021 offiziell antreten. In der Zwischenzeit übernimmt mein Kollege Sepp Hiekisch-Picard die Leitung und so lange ist das Museum in guten Händen.

Ich bin mir sicher, dass meine bisherigen Begleiter*innen auch der neuen Entwicklung des Bochumer Kunstmuseums folgen werden und weitere Mitstreiter*innen hinzukommen.

Gerne hätte ich mich in meinen letzten Amtstagen in unterschiedlichen Begegnungen im Museum „verabschiedet“ – doch leider lässt das die durch Corona bestimmte Situation nicht zu.

So danke ich Ihnen/ Euch auch auf diesem Weg für alles, was Sie /Ihr mir an Unterstützung meiner Arbeit aber auch mir persönlich haben/habt zukommen lassen und wünsche mir, dass Sie/Ihr dem Kunstmuseum weiterhin die Treue halten/haltet.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr/Euer Hans Günter Golinski

Dr. Hans Günter Golinski nimmt Abschied. Foto: Schorneck/Kunstmuseum Bochum

Noor Mertens wird die neue Direktorin im Kunstmuseum Bochum

Zum Juni 2021 tritt Noor Mertens die Direktion im Kunstmuseum Bochum an. Noor Mertens, Jahrgang 1984, studierte Kunstgeschichte und Museumskuration in Utrecht und Amsterdam. Seit 2017 ist sie die Geschäftsführung und Künstlerische Leitung des Kunstvereins Langenhagen, ist in diversen internationalen Juries tätig und engagiert sich in der Lehre. Zuvor war sie in Galerien und Privatsammlungen tätig und betreute als Museumskuratorin die Sammlung zur Moderne & Zeitgenössischen Kunst sowie die Stadtsammlung im renommierten Museum Boijmans Van Beuningen in Rotterdam.

Neben ihren facettenreichen Erfahrungen in der Entwicklung innovativer Ausstellungsformate mit internationaler Strahlkraft, qualifiziert Noor Mertens nicht zuletzt ihre Erfahrung, Kunst einem regionalen Publikum zugänglich zu machen und dabei die gesellschaftliche Bedeutung auch in partizipativen Formaten hervorzuheben.

„Die neu renovierte Villa Marckhoff-Rosenstein bietet viele Möglichkeiten, mit der Sammlung zu arbeiten und das Museum noch offener zu machen. Wie können Ausstellungen und Sammlung miteinander verbunden werden? Was für Formen kann Vermittlung annehmen in dieser Kunstinstitution und wie flexibel ist das Medium ‚Ausstellung’ eigentlich? Auf welche Weisen kann das Kunstmuseum Bochum in der Welt stehen? Dies sind wichtige Fragen, die ich von meiner vorherigen Arbeit im Kunstverein Langenhagen und im Museum Boijmans Van Beuningen mitbringe. Das Museumsgebäude und die Sammlung haben einen sehr angenehmen, humanen Charakter, der die Besucherinnen und Besucher nicht klein erscheinen lässt. Dieses menschliche Maß hat mich für diese Stelle begeistert. Ich freue mich sehr, zusammen mit dem Museumsteam und natürlich mit Künstlerinnen und Künstlern andere Perspektiven auf unsere komplexe Gesellschaft zu werfen“, freut sich Noor Mertens über ihre neue Aufgabe.

Auch der Kulturdezernent, Dietmar Dieckmann, freut sich über den Antritt der renommierten Kunsthistorikerin: „Noor Mertens hat uns im Bewerbungsverfahren mit ihrer Erfahrung, ihren innovativen Ideen, ihren Vermittlungskonzepten und ihrer erfrischenden Art absolut überzeugt. Ich bin sicher, dass sie das Kunstmuseum Bochum mit sehr viel Engagement und durchdachten Visionen in die Zukunft führen wird – ein großer Gewinn für Bochum und die bildende Kunst.“

Glücklich und rundum zufrieden zeigt sich auch der nun scheidende Museumsdirektor Hans Günter Golinski: Es ist mir wichtig, dass ich als dritter Direktor des Bochumer Kunstmuseums in Folge nun die Stafette an die Kollegin Noor Mertens weitergeben kann. Mit ihr setzt ein Perspektiv- und Generationswechsel ein, der für die Zukunft des Hauses neue Dimensionen eröffnet. Aus der niederländischen Kunstszene kommend, bringt sie ein Netzwerk mit, dass den künstlerischen Inhalten, aber auch den Formen der Umsetzung sowie der Wahrnehmung des Institutes  verstärkt Internationalität verleihen wird. Als Mensch schätze ich ihre offene und verbindliche Art, mit Menschen zu kommunizieren.  Schon jetzt freue ich mich darauf, als Besucher ihre erste Ausstellung besichtigen zu können.“

Noor Mertens, neue Leiterin des Kunstmuseum Bochum, aufgenommen am 11.12.2020. Im Hintergrund links der bisherige Museumsleiter Dr Hans Günter Golinski, rechts Kulturdezernent Dietmar Dieckmann. +++ Foto: Lutz Leitmann/Stadt Bochum

Ehemaliger Museumsleiter Peter Spielmann gestorben

Am Sonntag, 29. November, ist Dr. Peter Spielmann, langjähriger Leiter des Kunstmuseums Bochum, in seiner Heimatstadt Brno, Tschechien, verstorben. 1969 war er auf Einladung des damaligen Museumsleiters Dr. Leo als wissenschaftlicher Assistent an die Städtische Kunstgalerie nach Bochum gekommen. Nach Leos Tod übernahm Peter Spielmann 1972 die Leitung des Museums.

Peter Spielmann, 1932 in Aussig (Usti) geboren, war nach dem Studium der Kunstgeschichte und Ethnographie an der Masaryk-Universität in Prag zuerst am Städtischen Museum in Brno, danach von 1959 bis 1969 als Kurator an der Nationalgalerie in Prag tätig. In Bochum knüpfte er an die Konzeption einer gesamteuropäischen Sammlungs- und Ausstellungstätigkeit seines Vorgängers an, die nicht vor dem „eisernen Vorhang“ haltmachte, sondern unabhängige Kunst aus Ungarn, Jugoslawien, Polen, der Tschechoslowakei und aus der Sowjetunion zeigte. In seiner 25-jährigen Tätigkeit als Museumsdirektor präsentierte Peter Spielmann mehr als 300 Ausstellungen moderner und zeitgenössischer Kunst. Schwerpunkte waren dabei zentral- und osteuropäische Kunst, die historische Avantgardekunst und imaginative Tendenzen, aber auch Ausstellungen von Doppelbegabungen wie August Strindberg, Peter Weiss und Urs Jaeggi. Gattungs- und medienübergreifende Themenausstellungen zum Spanischen Bürgerkrieg, zur Utopie in der Kunst oder zum Motiv des Todes prägten sein Profil als Ausstellungsmacher. Die Sammlung des Kunstmuseums konnte er maßgeblich erweitern; so fallen bedeutende Ankäufe aus der Sammlung des Bochumer Industriellen Helmut Klinker, aber auch von Werken der Künstler Kasimir Malewitsch, František Kupka oder Frank Stella in seine Amtszeit.

Der Erweiterungsbau des Museums mit seinem multifunktionalen Forumssaal, der 1983 eingeweiht wurde, ermöglichte Peter Spielmann die Realisierung einer Museumskonzeption, die Literatur, Theater, Tanz und Musik mit bildender Kunst verknüpfen konnte. Das Festival der Ausländerkulturen „Kemnade International“, für dessen Gründung er maßgeblich verantwortlich war, entwickelte sich unter seiner Leitung zu einem prägenden Kulturfestival, das als „Beitrag zur Völkerverständigung“ in der Begründung zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Peter Spielmann im Jahr 1996 ausdrückliche Erwähnung fand. Nach dem altersbedingten Ausscheiden aus dem Amt verlegte Peter Spielmann seinen Lebensmittelpunkt nach Brno in Tschechien, wo er noch jahrelang an der Universität Kunstgeschichte lehrte. Am Sonntag, 29. November, ist Peter Spielmann nach längerer Krankheit im dortigen Krankenhaus verstorben.

Portrait Dr. Spielmann bei der PK zum Neubau Museum, 30. Mai 1983

Straßensperrung

Aufgrund der Fernwärmebaustelle wird die Kortumstraße ab morgen, 20.7. für ca. 2-3 Wochen gesperrt (ab Hausnummer 154 bis Bergstraße).

Verlängerung der Ausstellung "Von den Vorfahren geleckt"

Liebe Besucherinnen und Besucher,

wir freuen uns Ihnen mitteilen zu können, dass die Ausstellung „Von den Vorfahren geleckt“ bis 17. Juli 2022 verlängert wird.

Ausstellungsansicht "Von den Vorfahren geleckt" © Heinrich Holtgreve

Eigene Sammlung zeitweise nicht zugänglich

Liebe Besucherinnen und Besucher,

wegen mehrerer Krankheitsfälle im Aufsichtsteam kann es leider dazu kommen, dass wir je nach Besucherandrang die Ausstellungsflächen in der Villa Marckhoff (Präsentation eigene Sammlung) nicht öffnen können. Wir sind bemüht, diese Schließungszeiten so kurz wie möglich zu halten und bitten um Ihr Verständnis.

Vermittlungsreihe

Sonntag Skizzen - Ein kunstpraktisches Angebot für Erwachsene

„Das Raunen der Sammlung“ ist eine Ausstellung, die aus dem Zeichnung und Grafik Bestand des Museums ein großes Spektrum an Themen und zeichnerischer und grafischer Mittel präsentiert. Das Vermittlungsformat Sonntag Skizzen richtet sich an alle, die selber gern den Stift in die Hand nehmen. Auch Anfänger*innen mit Lust etwas Neues auszuprobieren sind herzlich willkommen. Jeder Termin hat eine Technik im Fokus und kann einzeln gebucht werden. Nach einem Rundgang in der Ausstellung können im Atelier in ruhiger Atmosphäre, angeleitet durch die Kunstvermittlerinnen, eigene Skizzen und Arbeiten entstehen. Die künstlerische Technik ist dabei festgelegt, die Inhalte Ihrer Arbeit können frei gewählt werden. Die Arbeitsergebnisse können sie selbstverständlich mit nach Hause nehmen.

Sonntag, den 15. Mai, 13.30 -17.00 Uhr
„Experimentelle Zeichnung mit Kohle und Buntstift“ mit Agnes Motz
Führung durch die Ausstellung „Das Raunen der Sammlung“ und Arbeit im Atelier,
Kosten 15,- bei freiem Eintritt inkl. Material

Sonntag, den 22. Mai, 13.30 -17.00 Uhr
„Collage“ mit Kerstin Kuklinski
Führung durch die Ausstellung „Das Raunen der Sammlung“ und Arbeit im Atelier,
Kosten 15,- bei freiem Eintritt inkl. Material

Sonntag, den 29. Mai, 13.30 -17.00 Uhr
„Bleistiftzeichnung“ mit  Maika Letizia Wolff
Führung durch die Ausstellung „Das Raunen der Sammlung“ und Arbeit im Atelier,
Kosten 15,- bei freiem Eintritt inkl. Material

Sonntag, den 12. Juni, 13.30 -17.00 Uhr
„Zeichnung mit Fineliner und Kaligrafiestiften “ mit Christa Appel
Führung durch die Ausstellung „Das Raunen der Sammlung“ und Arbeit im Atelier,
Kosten 15,- bei freiem Eintritt inkl. Material

Anmeldung unter kunstvermittlung@bochum.de

sichtbar – Katalog zur Präsentation der eigenen Sammlung 

Ab sofort erhältlich: Der 144 Seiten umfassende Katalog, der alle Werke der seit 2020 in der Villa Marckhoff installierten Präsentation der eigenen Sammlung umfasst. Mit kurzen Textbeiträgen zu allen Künsttlern und ihren Arbeiten. Für 10 Euro auch ein perfekter Begleiter durch die Ausstellung.

Yoga im Farbenrausch

Im neuesten Film der Reihe „RuhrKulturVibes“ der RuhrKunstMuseen breitet Dwayne Holliday seine Yogamatte vor Kuno Gonschiors „Landschaft blau-orange“ aus.

Umstellungen in der Ausstellungsplanung!

Wegen vieler Unwägbarkeiten in diesem Jahr haben wir verschiedene Umstellungen in unserer Ausstellungsplanung vorgenommen. So wird die Ausstellung mit Fotoarbeiten von Stefan Hunstein um einen weiteren Monat verlängert. Die Ausstellung „Anselme Boix-Vives“ mit internationalen Leihgaben haben wir in den Herbst verschoben. Auch bei den anderen Laufzeiten gibt es kleinere Verschiebungen. Alle aktualisierten Daten finden Sie im Bereich „Ausstellungen“.

Katalog zur Ausstellung „A Darker Shade Of Black“ ist da!

Einige filmische Eindrücke der Ausstellung mit Arbeiten von Frank Gerritz, Apostolos Palavrakis und Bruno Querci in Korrespondenz zu Werken von Kasimir Malewitsch haben wir bereits in der Rubrik „Ausstellungen“ hochgeladen. Nun gibt es auch die Möglichkeit, die Ausstellung auf Papier mit nach Hause zu nehmen. Der Katalog umfasst 96 Seiten mit festem Einband. Die zahlreichen Abbildungen zeigen nicht nur einzelne Werke, sondern auch Raumansichten. Textbeiträge von Dr. Hans Günter Golinski und Michael Stockhausen suchen nach dem Licht im Dunkel. Der Katalog kostet 15 Euro.
Da das Kunstmuseum weiterhin geschlossen ist, kann er zurzeit nur bestellt werden. Bitte senden Sie hierzu eine formlose Mail an museum@bochum.de
Der Versand kostet 3 Euro, eine coronakonforme Übergabe an der Museumspforte kann vereinbart werden.

Kunstwerke rund um das Museum erleben

Das Kunstmuseum ist aufgrund der Corona-Schutzverordnung des Landes NRW vorerst bis Ende Januar für Besucher*innen geschlossen. Trotzdem lohnt sich ein Besuch, denn beim Spaziergang rund um das Museum und im angrenzenden Stadtpark kann man viele spannende Kunstwerke erleben. Hier finden Sie Informationen und Bilder der Werke in der Nachbarschaft des Kunstmuseums – wir laden Sie herzlich ein zu einem virtuellen Rundgang und – wenn Sie Zeit und Lust haben – zu einer wirklichen Erkundungstour.

Zur Bildergalerie (hier klicken)

Neues Angebot – Serie „Vorsicht Kunst!“

Die freiberuflichen Kunstvermittlerinnen Maika Letizia Wolff und Agnes Motz stellen Ihnen in kurzen Filmen Werke aus der Sammlung des Kunstmuseums vor.

Zu den Videos (hier klicken)

Fingerhutkirche zu Gast im Kunstmuseum

Die FingerhutKirche ist ein digitales Format der Evangelischen Kirchengemeinde Bochum Wiemelhausen. Ein Fingerhut ist ein kleines Gefäß, in das nur wenig hineinpasst: das entspricht der Aufnahmebereitschaft von Menschen, die sich bei YouTube hindurchklicken. Pfarrer Martin Röttger und sein Team waren kürzlich zu Gast im Kunstmuseum, um für eine neue Folge des Formates die Begegnung mit einem der Werke aus der eigenen Sammlung zu suchen. Im Mittelpunkt steht Jan Zrzavýs Gemälde „Der barmherzige Samariter“ aus dem Jahr 1915.
Den Film können Sie hier sehen.

v.l.n.r. Akkordeonist Dr. Maik Hester, Pf. Martin Röttger und Kameramann Krepper mit Tochter Emmalina

Das Kunstmuseum Bochum ist schockiert vom kriegerischen Angriff Russlands auf die Ukraine. Im Namen von Freiheit, Demokratie und Menschen- und Völkerrecht solidarisieren wir uns mit der ukrainischen Bevölkerung. Immer wieder haben sich Künstler:innen und Kulturschaffende in der Vergangenheit und Gegenwart gegen Gewalt und Krieg empört. Auch in der Sammlung des Kunstmuseums finden sich Kunstwerke, die diesen Kampf gegen menschenverachtende Kriegstreiberei bezeugen. Ihre Aktualität angesichts der rücksichtslosen Aggression, die heute Präsident Putin gegen die Ukraine anwendet, ist bedrückend. Wir veröffentlichen in den kommenden Tagen Werke aus unserer Sammlung, die gegen Krieg und Gewalt protestieren als Zeichen unserer Solidarität mit den Ukrainerinnen und Ukrainern.

Robert Capa ist einer der bekanntesten Vertreter der Dokumentarfotografie im 20. Jahrhundert, der vor allem als Kriegsberichterstatter arbeitet. Seine Fotografien zeigen, was es für Soldaten und für die Zivilbevölkerung bedeutet, in Kriegszeiten zu kämpfen und zu überleben. Eine große Anzahl seiner Fotos entsteht während des Spanischen Bürgerkriegs, den er vom Beginn im Sommer 1936 bis zum Fall Barcelonas im Januar 1939 begleitet. Seine Bürgerkriegsbilder sind zu eindrucksvollen Zeugnissen der Gefühle und Leiden des spanischen Volkes und gleichzeitig zu einem Manifest gegen Krieg, Unterdrückung und Ungerechtigkeit geworden. Das Foto zeigt ein Mädchen mit einer dunklen Jacke mit schwarzem Kragen, schwarzen Sandalen und weißen Socken. Ihre Körperhaltung und ihr Gesichtsausdruck verraten ihre Müdigkeit und Erschöpfung. Mit einem müden und ernsten Gesichtsausdruck scheint sie alles um sich herum wahrzunehmen. Im Hintergrund sind weitere Gepäckstücke zu sehen, und vor dem Mädchen liegen ein zu einem Bündel verschnürter Gegenstand und eine leere Flasche. Barcelona steht kurz vor der Eroberung durch die faschistischen Truppen, die Republik kann sich deren durch die Unterstützung von Hitler-Deutschland und Mussolinis Italien verstärkte Übermacht nicht mehr erwehren. Im Bild des Mädchens konzentriert Robert Capa die Erfahrung von Flucht und Exil, die fortan von Millionen und Abermillionen Menschen geteilt werden muss.

Robert Capa Mädchen ruht sich während der Evakuierung der Stadt aus, Barcelona, 1939

Der deutsche Maler, Zeichner und Bildhauer Rudolf Schoofs zählt zu den namhaften deutschen Künstlern der Nachkriegszeit. In zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen in wichtigen Museen Europas und Amerikas, wie auch 1977 auf der documenta in Kassel, 1981 bei der Biennale in São Paulo, wird sein Werk präsentiert. Als Reaktion auf den Sechstagekrieg zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn und unter dem Eindruck der furchtbaren Bilder aus dem eskalierenden Krieg in Vietnam fertigt Rudolfs Schoof 1967 / 1968 seine 10-teilige Grafikfolge „Israel und Vietnam“. Er bezieht Pressefotos vom Kriegsgeschehen ein, projiziert diese auf Aluminiumplatten, auf die er anschließend mit Litho-Kreide zeichnet. Dem anonymen Kriegsmaterial, den Visieren, Helmen, Luftschläuchen, aber auch Bildern von gefallenen Kämpfern, stellt Schoofs zeichnerisch aufgeklappte Körperformen gegenüber, die wie auf Röntgenbildern durchsichtig werden. Seine Bilder enthüllen und komprimieren mit grausamer Objektivität die Brutalität des Kriegs, lassen das Skelett unter der Haut sichtbar werden, zeigen, was vom Menschen bleibt. Seine eindringliche Grafikfolge zum modernen hochtechnisierten Krieg trägt den Untertitel „Hommage à Goya“. Sie wird 1968 erstmals im Bochumer Museum ausgestellt und 1970 mit dem Zille-Preis für kritische Grafik der Stadt Hannover ausgezeichnet.

Pravoslav Sovák Graphisches Tagebuch, 1969 Radierung

Der französische Maler und Bildhauer Jean Fautrier hat sich in seinem Werk immer wieder mit den Schrecken des Krieges auseinandergesetzt. Im ersten Weltkrieg erleidet er 1918 eine schwere Giftgasverletzung mit lebenslangen Folgen. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges kehrt Fautrier 1940 nach Paris zurück. Dort richtet er sich ein Atelier ein, das zum Treffpunkt seiner in der Résistance tätigen Freunde wird. Von 1940 bis 1944 konzentriert er sich bildhauerisch auf eine Reihe von Köpfen, von denen Großer tragischer Kopf der vorletzte ist. Jeder dieser Köpfe weist entweder Spuren physischer Gewalt oder einen Ausdruck tief empfundenen Schmerzes auf als eine Reaktion auf den Zweiten Weltkrieg. Durch seine Zweiteilung wird das Erlebte im Großen tragischen Kopf besonders deutlich: Während die eine Gesichtshälfte durch Schraffuren beinahe ausgelöscht zu sein scheint, blickt auf der anderen Seite ein Auge fast flehentlich dem Betrachter entgegen. Nicht starr, sondern vielmehr erstarrt wirkt auch der Mund, der wie zu einem Keuchen leicht geöffnet ist. Die Serie der Köpfe bildet gleichzeitig den Ausgangspunkt für Fautriers Gemälde-Zyklus der Otages (Geisel-Bilder), eine Folge von abstrahierten Figuren und Köpfen, in denen der Künstler seine kurzzeitige Inhaftierung durch die SS verarbeitet. Seine Werke werden später weltweit ausgestellt, z. B. 1959 auf der documenta 2 in Kassel; 1960 erhält er den Großen Preis der Biennale in Venedig.

Maxim Kantor Lonely Crowd, 1992 Radierung

Oskar Kokoschka Der ermordete Volksdichter Federico Garcia Lorca, 1936 Tusche auf Papier

 

Der berühmte österreichische Maler Oskar Kokoschka stellt sich in den 1930er Jahren vehement gegen Faschismus und Kriegstreiberei. Aufgrund der bürgerkriegsähnlichen Zustände in Wien übersiedelt er im September 1934 nach Prag, im Jahr darauf nimmt er die tschechische Staatsbürgerschaft an. In Aufsätzen und Vorträgen warnt er vor der Ideologie des Nationalsozialismus, seine Werke werden als „entartet“ erklärt und mehr als 400 seiner Bilder werden in Deutschland beschlagnahmt. Ihm ist klar, dass der Angriff der Franco-Truppen gegen die spanische Republik 1936 nur der Beginn eines viel größeren Krieges ist. Gleich zu Anfang des spanischen Bürgerkriegs wird der berühmte spanische Dichter Federico Garcia Lorca von den Putschisten verhaftet, ins andalusische Víznar verschleppt und am 19. August 1936 zusammen mit zwei anderen Republikanern erschossen und am Straßenrand verscharrt. Wo das Grab liegt, ist bis heute unbekannt. Nach der Hinrichtung rühmt sich einer der Mörder, er habe ihm »zwei Schüsse in den Arsch gegeben, weil er schwul war«. Kokoschka stellt das Porträt des kämpferischen Dichters mit geballter Faust vor eine apokalyptische Kriegsszenerie, die mittelalterliche Folterszenen, Mord und Totschlag, aber auch Flugzeuge als modernste Kriegswaffen zeigt. Mit seiner Zeichnung will Kokoschka die spanische Republik aktiv unterstützen, er notiert auf dem Blatt: „Alle Reproduktionsrechte für spanische Vereine gestattet, die gegen faschistische Mächte die Rechte des spanischen Volkes verteidigen.“ 1937 reagiert er mit einer Lithographie auf die Vernichtung der baskischen Stadt Guernica. „Ich antwortete mit einem Plakat in den Straßen Prags, auf welchem ich für die Aufnahme der baskischen Kinder, der Opfer des faschistischen Überfalls auf Guernica, in Böhmen plädierte und zugleich vor einem zu erwartenden Überfall auf Prag warnte, indem ich im Hintergrund meines Bildes den von Bomben in Brand geschossenen Hradschin zeigte. Dieses Plakat musste von der Prager Polizei von den Mauern gerissen werden, um unerwünschte diplomatische Verwicklungen zu vermeiden, doch nachts klebten es junge Leute wieder an. Der deutsche Sender aus Breslau drohte mir: ‚Wenn wir nach Prag kommen, wirst du am ersten Laternenpfahl hängen.‘ Im Oktober 1938 gelingt Oskar Kokoschka die Emigration nach England, wo er gleich gemeinsam mit John Heartfield die „Free German League of Culture“ (Freier Deutscher Kulturbund) gründet, die zur aktivsten Organisation deutscher Emigranten wird.

 

 

 

Das Kunstmuseum Bochum bewahrt den gesamten künstlerischen und schriftlichen Nachlass des in Hagen geborenen Graphikers Reinhard Schmidhagen, der in der Tradition von Käthe Kollwitz während des Dritten Reichs im Untergrund gegen den Krieg agitierte. Angesichts der Ausweitung des Zweiten Weltkriegs zum totalen Krieg mit bis dahin unvorstellbaren Zerstörungen, aber auch im Bewusstsein der Verschleppung und systematischen Ermordung der Juden in Deutschland und in den besetzten osteuropäischen Gebieten, konzipierte er 1943/44 seine Holzschnittfolge „Apokalypse“. In einem Brief an Käthe Kollwitz schreibt Schmidhagen, seine Darstellung wolle „das dämonisch-aufwieglerische element im trommler, die unterpersönliche todesbereitschaft und den mechanischen zerstörungswillen im element der soldaten, und schließlich in der frauengruppe das element der eigentlichen opfer“ zeigen.

Reinhard Schmidhagen (1914 – 1945) Die Trommel, 1944 Holzschnitt

Rudolf Schoofs Israel und Vietnam. Die Schrecken des Krieges, 1967 Farb-Offset-Litho

Der tschechische Grafiker Sovák, 1926 geboren, besucht nach dem Abitur eine private Kunstschule und studiert anschließend an der Hochschule für Angewandte Kunst in Prag. In den 1950er Jahren perfektioniert er seine grafischen Techniken und legt seinen Schwerpunkt auf schwarz-weiß-Radierungen. Seine ersten erfolgreichen Ausstellungen finden in Prag, Wien und Klagenfurt statt. Sein Hauptthema in den 1960er Jahren ist die Stadt und ihre Bewohner*innen. Er verfolgt aufmerksam den Liberalisierungsprozess im Zuge des Prager Frühlings, der mit dem Einmarsch der Armeen der Warschauer Pakt-Staaten am 21. August 1968 gewaltsam beendet wird. Eine halbe Million Soldaten der Sowjetunion, Polens, Ungarns und Bulgariens marschieren in die Tschechoslowakei ein und besetzen innerhalb von wenigen Stunden alle strategisch wichtigen Positionen des Landes. Es war die größte Militäroperation in Europa seit 1945. Überall auf der Welt kommt es zu Protesten gegen den Einmarsch, der „kalte Krieg“ verschärft sich, hunderttausende Menschen emigrieren aus der CSSR.

Im Juni 2015 wird der russische Botschafter vom tschechischen Außenministerium einberufen, nachdem in einer Dokumentation im russischen Staatsfernsehen der Prager Frühling als Putschversuch durch eine Vereinigung „verurteilter ehemaliger Nazis, SS-Leute und Kollaborateure“ dargestellt und die Behauptungen von 1968 über eine angebliche Einmischung der NATO wiederaufgenommen worden ist.

Sováks „Graphisches Tagebuch“ entsteht als Illustration zu Pavel Kohouts „Diary of a Revolutionary“ (dt. Tagebuch eines Konterevolutionärs). „Dieses Buch ist zur Information all jener bestimmt, die versuchen, den ziemlich komplizierten Lebensweg unserer Generation zu begreifen. Es ist eine Geschichte, deren dramatischer Bogen mit den sowjetischen Panzern in den Prager Straßen 1945 beginnt, als sie die Tschechoslowakei befreiten, und 1968 endet, als sie sie okkupierten“, kommentiert der spätere Mitverfasser der Charta 77. Sovák zeigt den Einmarsch der Armee mit ihren Panzern in Prag.

Jean Fautrier Großer tragischer Kopf, 1942 Bronze

Der 1957 in Moskau geborene Künstler, Schriftsteller und Philosoph ist ein aufmerksamer Beobachter, der politische Entwicklungen – insbesondere seines eigenen Landes – seit den 1980er Jahren mit kritischer Besorgnis nachzeichnet. Macht und Machtmissbrauch sind beherrschende Themen in seinen Werken. Er zeigt die Welt in eindringlichen Bildern, er beschönigt nichts in seiner Darstellung des Ruinösen und Erbärmlichen des Alltags. Der Mensch ist isoliert, auch wenn er als Masse auftritt. Der Einzelne ist wehrlos im dichten Gespinst der Macht, in dem die Fäden wie im Marionettentheater gezogen werden. Die großformatige Radierung „Lonely Crowd“1992, variiert ein zuvor entstandenes Gemälde gleichen Titels. In einer düsteren Vision zeigt Kantor den Zusammenbruch des totalitären Staatsgefüges. Die einfachen Menschen: endlose Kolonnen abgerissener Gestalten die verloren durch ein verödetes Land ziehen. Not und Demoralisierung erscheinen ins Monumentale gesteigert. Der Bildraum ist dramatisch gespannt, als wollte sich der Erdboden aufbäumen und den Horizont versperren. In starker perspektivischer Verzerrung scheinen die gequälten Gestalten buchstäblich nach vorn aus dem Bild herausgedrängt zu werden, ihre Gestik und Mimik verraten Hilflosigkeit und Furcht.

Maxim Kantor bezeichnete Putin schon zu Beginn von dessen erster Amtszeit als große Gefahr; in seinem ersten Roman «Zeichenlehrbuch» beschrieb er ihn als künftigen Diktator. In seinen Bildbänden «New Empire», 2004, oder «Das neue Bestiarium», 2016, gestaltet in der Tradition politischer Kunst von Goya bis Beckmann, erscheint Putin als grünliches Skelettmonster, das in einer immer düsterer werdenden Realität sein Unwesen treibt. «Putin wollte sein Stück vom Kuchen, und das Stück wurde grösser und grösser. Früher oder später zog er wie jeder russische Tyrann die Karte des Patriotismus. Es entstand ein neuer Faschismus. Es ist dies ein qualvoller Befund, aber ich bestehe auf dieser Einschätzung. Faschismus ist nicht beschränkt auf das 20. Jahrhundert und ein Virus, das unter bestimmten Verhältnissen überall ausbrechen kann. Er geht einher mit einem Retro-Imperium, also keinem richtigen, wie Rom es war, sondern einem nostalgischen. Die Menschen werden geeint im Zeichen von Nation, Blut und Nostalgie.“ (Maxim Kantor, 2017)

Detlef Kappeler ist ein bekannter Vertreter des deutschen kritischen Realismus, der sich seit den 1970er Jahre in seinen Gemälden, Wandmalereien und grafischen Arbeiten gegen kriegerische Gewalt, Terror und Unterdrückung engagiert. Vietnamkrieg, der Putsch in Griechenland und die gewaltsame Machtübernahme Pinochets in Chile werden in seinen Werken thematisiert. Mitte der 1970er Jahre zieht er sich für zwei Jahre auf einen kleinen Bauernhof in Niedersachsen zurück. In Zeichnungen und Radierungen unter dem Titel „Projekt Nordholz“ dokumentiert er das Leben der dort lebenden Kleinbauernfamilie, in welches Technisierung der Arbeit und Entfremdung zunehmend eingreifen, aber auch politische Ereignisse und gesellschaftliche Entwicklungen ihre Spuren hinterlassen. Brechungen, ein Auseinanderplatzen des Bildgefüges, Montage und Demontage sind dabei Kappelers Bildmittel, die Aggressivität der uns umgebenden Lebenswelt und die Brutalität der ständig auf uns einstürzenden medialen Bilder darzustellen. Auf der Radierung notiert er: „Wenn ein Volk für seine Freiheit und die Zukunft seiner Kinder kämpft, niemals der Angreifer oder Unterdrücker das letzte Wort hat.“

 

Detlef Kappeler Projekt Nordholz, 1976 Radierung

Unter dem Eindruck des brutalen Angriffs der von den Nationalsozialisten aufgestellten „Legion Condor“ auf die baskische Stadt Guernica am 26. April 1937 schuf Reinhard Schmidhagen seinen anklagenden Holzschnitt-Zyklus „Guernica“. Er zeigt das Leiden und Sterben der Zivilbevölkerung und appelliert, Freiheit und Demokratie im spanischen Bürgerkrieg zu unterstützen. Wie vielen anderen Künstler*innen ist ihm bewusst, dass der Angriff der faschistischen Truppen auf die spanische Republik nur das Vorspiel ist für weitere Kriege: „das morden aus der luft kennt keine Grenzen – und neben denen an den fronten sind es frauen und kinder, die man vernichtet“, notiert er Anfang Mai in sein Notizbuch. Unter dem Pseudonym Ferdinand Laaren gelingt es ihm, seine Holzschnittfolge „Guernica“ in der Schweiz zu veröffentlichen.

Reinhard Schmidhagen (1914 – 1945) Baskische Mutter (aus dem Zyklus „Guernica“), 1937 Holzschnitt

Endre Nemes Die Prager Braut, 1938 Tempera auf Leinwand

Auf den ersten Blick deutet in dem Tempera-Gemälde „Die Prager Braut“ nichts hin auf den Zeitkontext des aufziehenden Zweiten Weltkriegs, von Emigration, Entwurzelung und Verlust. Und doch ist das melancholisch eingefärbte Interieur mit Gliederpuppe, Madonnenfigur und seltsam zusammengestellten Gegenständen zutiefst geprägt von den Vorahnungen des kommenden Krieges. Endre Nemes berichtet dazu: „Dieses Bild ‚Prager Braut‘ ist im Spätsommer 1938 gemalt worden, als die Verhandlungen zwischen Chamberlain und Hitler furchtbar dramatisch waren. Ich dachte damals, was hat das überhaupt für einen Sinn, dass man noch immer Bilder malt, so als ob diese bestehen würden oder einen selbst überleben würden…“ Die für Nemes Malerei unüblichen Krakelee-Risse in der Malschicht bezeugen die Verzweiflung des jüdischen Malers angesichts einer zunehmend ausweglosen Situation. Die Münchner Konferenz Ende September 1938 und das Nachgeben Frankreichs und England gegenüber dem Diktator Hitler besiegeln das Schicksal der jungen Tschechoslowakischen Republik: Die deutschen Truppen marschieren in das Sudetenland ein, wenige Monate später besetzen sie das ganze Land. Endre Nemes gelingt die Flucht über Finnland, Norwegen nach Schweden, während seine zentraleuropäische Kulturtradition in Krieg, in Terror und Vernichtung versinkt.

 

Kontakt

Öffnungszeiten

Adresse

Kunstmuseum Bochum

Kortumstraße 147
44777 Bochum (Postanschrift)
44787 Bochum (Navigation)

Telefon: +49 (0)234 910 – 42 30

E-Mail: museum@bochum.de

Facebook

Instagram

Presse

Anfahrt

geoportal hoch

 

Öffnungszeiten

Dienstag, Donnerstag, Freitag,
Samstag und Sonntag:
10.00 — 17.00 Uhr

Mittwoch:
12.00 — 20.00 Uhr

An folgenden Feiertagen bleibt das Kunstmuseum Bochum geschlossen: Neujahr, Karfreitag, 1. Mai, Heiligabend, 25. Dezember, Silvester.

An den übrigen Feiertagen bleibt das Museum jeweils von 10.00-17.00 Uhr geöffnet.

Eintrittspreise

Eintritt frei bis 31. Mai 2022
Wegen der Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie ist der Eintritt in die Eigene Sammlung und die Wechselausstellungen des Kunstmuseum Bochum derzeit frei.

Eintrittspreise ab 1. Juni 2022

Eintritt eigene Sammlung: frei

Einzelkarte Wechselausstellung: 6 Euro, ermäßigt 3 Euro

Kombiticket mehrere parallele Wechselausstellungen: 8 Euro, ermäßigt 4 Euro

Jahreskarte (12 Monate ab Kaufdatum): 30 Euro, ermäßigt 15 Euro

Gruppenticket ab 10 Personen: 40 Euro

 

Ermäßigungen / freier Eintritt:

Freier Eintritt an jedem 1. Mittwoch im Monat

Feier Eintritt für: Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr / RuhrKultur.Card / ICOM / Deutscher Museumsbund / RuhrKunstMuseen / Verband deutscher Kunsthistoriker / Verband der Restauratoren / ArtCard Deutsche Bank

Ermäßigte Preise für Schüler und Studenten bis 29 Jahre, Auszubildende, Schwerbehinderte (mind. 80%) und Inhaber eines Vergünstigungsausweises. Außerdem Inhaber der artCard (art Magazin) sowie verschiedener Gutscheinbücher.

 

Führungen

Regelmäßige Führungen sonntags um 15.00 Uhr (ohne Aufpreis) – weitere Führungen auf Anfrage möglich!

Ein Audioguide ist für die eigene Sammlung abrufbar – Nutzung über Ihr eigenes Smartphone oder vergleichbares Endgerät.

Bitte beachten Sie, dass zur Zeit keine Kartenzahlung möglich ist.

Wir freuen uns über eine Nachricht.


    Ich akzeptiere die Datenschutzbestimmungen

    Nachricht senden