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Hier finden Sie aktuelle Meldungen aus dem Kunstmuseum Bochum

Öffnungszeiten an Halloween und Allerheiligen

An Halloween, Montag, den 31.10., öffnet das Museum abends um 19 Uhr zur Kostümparty und Eröffnung „DAS GRAUEN DER SAMMLUNG“. Am Tag darauf, an Allerheiligen, öffnet das Museum außerplanmäßig erst um 11 Uhr und ist bis 17 Uhr geöffnet.

Kunstmuseum als eines von 21 Museen deutschlandweit im Rahmen des Pilotprojekts „Mitbestimmungsorte. Gesellschaftliche Teilhabe am Museum fördern“ der Kulturstiftung der Länder ausgewählt

Für die Museumssammlung und das Ausstellungsprogramm möchte das Kunstmuseum Bochum in den kommenden Jahren neue Perspektiven und Zugänge schaffen und in einen Dialog mit bestehenden und neuen Nutzer:innen des Museums treten. Mit der Teilnahme an dem Pilotprojekt „MitbeStimmungsorte. Gesellschaftliche Teilhabe am Museum fördern“ sowie einer neuen Stelle im Rahmen eines Forschungsvolontariats zur Aufarbeitung der eigenen Sammlung unternimmt das Kunstmuseum nun konkrete Schritte in diese Richtung.

Im Rahmen des Pilotprojekts „MitbeStimmungsorte. Gesellschaftliche Teilhabe am Museum fördern“ der Kulturstiftung der Länder wurde das Kunstmuseum Bochum als eines von 21 Museen deutschlandweit ausgewählt. Das Pilotprojekt unterstützt Museen mit Werkstätten und Beratungsangeboten im Transformationsprozess hin zu einer Diversifizierung der Struktur ihrer Nutzer:innen. Das Projekt will Menschen, die bislang wenig Berührungspunkte mit dem Museum haben, neugierig auf einen Besuch machen. Im Rahmen des Pilotprojekts fragen sich die Institutionen gemeinsam, unter welchen Bedingungen Mitbestimmung von Nutzer:innen an Themen, Inhalten und Formaten gelingen und nachhaltig wirksam werden kann. Hierbei gilt es individuelle Lösungen zu entwickeln um eine größere Teilhabe der vielfältigen Gesellschaft am Museum zu ermöglichen. Die Auswahl der teilnehmenden Museen spiegelt die deutsche Museumslandschaft
wider – es handelt sich um eine spartenübergreifende Auswahl und ein ausgewogenes Verhältnis kleiner und großer Ausstellungshäuser in ländlichen Regionen und unterschiedlichen städtischen Kontexten.

Forschungsvolontariat im Kunstmuseum

Seit 2020 fördert das Ministerium für Kultur und Wissenschaft die Kunstmuseen im Land mit dem Programm „Forschungsvolontariat Kunstmuseen NRW“. Das Kunstmuseum Bochum freut sich im Rahmen des Förderprogrammes ausgewählt worden zu sein und bereits im kommenden Jahr ab Januar ein Forschungsvolontariat zur Aufarbeitung der eigenen Sammlung vergeben zu können. Im Mittelpunkt jedes Forschungsvolontariats steht ein Forschungsprojekt im Kontext der jeweiligen Sammlung sowie die verstärkte Zusammenarbeit mit den kunsthistorischen Lehrstühlen im In- und Ausland.

Das Kunstmuseum Bochum wird hierzu sowohl mit dem Kunstmuseum Olomouc (Tschechien) und dem Kunstgeschichtlichen Institut der Ruhr-Universität Bochum kooperieren, um gemeinsam die eigene Sammlungsforschung voranzutreiben. Übergreifend wird das Volontariat zudem vom Institut für Kunstgeschichte der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf organisatorisch und wissenschaftlich begleitet Das Sammeln und die Sammlung des Kunstmuseum Bochum, die etwa 8.000 Werke und Werkgruppen umfasst, wurde maßgeblich von drei Direktoren in den letzten sechs Jahrzehnten aufgebaut und von ihren Vorstellungen, Haltungen und Vorlieben geprägt. Die grundlegende Aufarbeitung dieser Epochen im Rahmen des Forschungsvolontariats wird dabei unterstützen, daraus eine Vision für die Zukunft des Museums zu entwickeln. Die Erschließung und Bestandsaufnahme der Sammlung sind nicht nur essentiell, um verloren gegangenes Wissen zu rekonstruieren, sondern auch um in den kommenden Jahren neue Perspektiven und Zugänge zu entwickeln.

Das Ausschreibungsverfahren für das Foschungsvolontariat läuft ab sofort und noch bis zum 15.09.2022. Neben der Volontariatsstelle ist das Kunstmuseum weiterhin auf der Suche nach freien Kunstvermittler:innen, die das bestehende Team verstärken und um neue und innovative kunstpädagogische Ansätze erweitern. Ausführliche Stellenausschreibungen sowie alle Informationen zu den Bewerbungsbedingungen finden sich hier.

Das Kunstmuseum Bochum ist schockiert vom kriegerischen Angriff Russlands auf die Ukraine

Im Namen von Freiheit, Demokratie und Menschen- und Völkerrecht solidarisieren wir uns mit der ukrainischen Bevölkerung. Immer wieder haben sich Künstler:innen und Kulturschaffende in der Vergangenheit und Gegenwart gegen Gewalt und Krieg empört. Auch in der Sammlung des Kunstmuseums finden sich Kunstwerke, die diesen Kampf gegen menschenverachtende Kriegstreiberei bezeugen. Ihre Aktualität angesichts der rücksichtslosen Aggression, die heute Präsident Putin gegen die Ukraine anwendet, ist bedrückend.

Museumsteam trauert um Ulrich Froese

Das Team des Kunstmuseums Bochum trauert um den Kunstfreund und langjährigen Unterstützer Ulrich Froese. Als Geschäftsführer der Augusta-Kliniken in Bochum und Hattingen war Ulrich Froese dem benachbarten Kunstmuseum über viele Jahre hinweg eng verbunden. Er gehörte zu den Initiatoren des Freundeskreises, der seit dem Ende der 1990er Jahre das Museum mit Rat und Tat unterstützt hat. Vor allem sein Beitrag zum Gelingen der vielbeachteten Ausstellung „New Identities. Zeitgenössische Kunst aus Südafrika“, die 2004 in Bochum gezeigt werden konnte und anschließend noch Station in Pretoria und Johannesburg machte, bleibt unvergessen. Hier trafen sich seine Leidenschaft für Kunst und sein Engagement, Brücken und Partnerschaften zwischen Südafrika und Deutschland zu vermitteln.  2010 war er Mitbegründer der Kunst- und Museumsgesellschaft Bochum e.V. und führte viele Jahre lang als erster Vorsitzender den Verein. Als Sammler und Kunstkenner war für Ulrich Froese die Förderung der bildenden Kunst in Bochum immer eine Herzenssache, die vielen Kunstwerke in den Räumlichkeiten und in den Parkanlagen des Augusta-Krankenhauses zeigen dies sehr anschaulich. Das Kunstmuseum verliert mit Ulrich Froese einen wichtigen Freund und einen Förderer der zeitgenössischen Kunst.

Nachruf Inge Baecker (1943 – 2021)

Inge Bäcker, 1970er Jahre © Hartmut Beifuß

Bochum, 20. Juli 2021

Heute erreichte uns die traurige Nachricht, dass Inge Bäcker in der vergangenen Woche verstorben ist. Die gebürtige Bochumerin gründete 1970 eine Galerie für Avantgarde-Kunst, die sie mit großem Engagement und Sachverstand leitete. Inge Bäcker präsentierte viele internationale Vertreter*innen konzeptueller und intermedialer Kunst zum Teil erstmalig in Deutschland. Ihre von 1972 bis 1979 im Ruhrpark Einkaufszentrum veranstalteten sechs „Kunstwochen“ sind mittlerweile Legende, wie auch die große Ausstellung „Sehen um zu hören – Objekte und Konzerte zu visueller Musik der sechziger Jahre“ im Jahr 1975 in der Kunsthalle Düsseldorf.

Wolf Vostells einbetonierte Verkaufstheke „Olympia-Hymne“, das „TV-Cello“ von Nam June Paik und Mauricio Kagels „Beethovenzimmer“, verschiedene Werke von Allan Kaprow, alle Teil der Sammlung des Museums, zeugen von der engen Verbindung zwischen der Galerie Inge Bäcker und dem Kunstmuseum und zeigen gleichzeitig Bäckers Pioniergeist. 2012 organisierte das Museum die Ausstellung  „Inge Baecker Bochum – Fluxus Ruhrgebiet“, wobei anhand ausgewählter Exponate die zwölf Jahre der Galerie in Bochum nachgezeichnet wurden.

Ein gutes Beispiel für Inge Bäckers weitsichtige und experimentierfreudige Haltung geht aus einem Telegramm hervor, das Allan Kaprow 1975 an Wolf Vostell schickte:

‚Dear Wolf, Im am looking forward to my first single exhibition in Germany, the gallery Baecker. I know she has your favourite works. Is it true that she offers Dick Higgins, Vautier, AL Hansen, Borris Lurie, Cage, KP Brehmer, Badura, Mauricio Kagel, Burkhardt, and Arman? Hope to see you in Bochum. Yours, Allan Kaprow“

Urs Jaeggi und das Kunstmuseum Bochum

Am 13. Februar 2021 verstarb der Soziologe, Schriftsteller und bildende Künstler Urs Jaeggi in Berlin. Er hatte viele Verbindungen nach Bochum, wo er Ende der 1960er Jahre lebte und als Professor für Soziologie an der Ruhr Universität wirkte. Besonders eng war seine Beziehung zum Kunstmuseum. Schon in den 1960er Jahren suchte er den Kontakt und vermittelte dem damaligen Museumsdirektor Peter Leo eine Ausstellung des Schweizer Bildhauers Oscar Wiggli. Zur Eröffnung des Museumsneubaus im Oktober 1983 hielt Jaeggi die Festrede zum Thema Utopie und Kunst. Wenig später wandte er sich selbst intensiv der Malerei und später auch der Bildhauerei zu, 1989 nahm Jaeggi an der großen Ausstellung „Wo bleibst Du, Revolution? Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit heute“ mit einer Installation teil, im Katalog zur Ausstellung publizierte er das hierzu verfasste Prosa-Gedicht „Citoyens“. Aus diesem Kontakt mit dem Künstler resultierte dann 1991 die umfangreiche Ausstellung „Urs Jaeggi – Figuren“, die von Bochum organisiert anschließend noch in Berlin und in Olten in der Schweiz gezeigt wurde. 1993 wurde seine bislang größte Eisenskulptur „Chaib“ auf der Wiese vor der Villa Marckhoff aufgestellt. „Chaib“, aus dem Schweizerdeutsch übersetzt „Kerl“ oder „knorriger Typ“, steht heute vor dem Gebäude des Ottilie-Schönewald-Weiterbildungskollegs. Jaeggi schenkte es der Stadt, als prominenter Absolvent des zweiten Bildungswegs war er mit diesem Ort der Neuaufstellung sehr zufrieden und kam zur Einweihung, um mit den Studierenden des Kollegs zu diskutieren. Er blieb dem Kunstmuseum bis zuletzt verbunden, seine Tätigkeit als bildender Künstler war ihm in seinen letzten Lebensjahren immer wichtiger geworden.

Hans Günter Golinski nimmt Abschied

Dr. Hans Günter Golinski nimmt Abschied. Foto: Schorneck/Kunstmuseum Bochum

Liebe Kunstfreund*innen,

meine nun mehr als dreißig Jahre dauernde Amtszeit am Kunstmuseum Bochum endet am 31. Dezember.

Am 1. Juli 1989 habe ich die Stelle des Kustos für die Bochumer Kunstsammlung angetreten und zum 1. November 1997 die Leitung des Museums übernommen – eine für mich sehr gute Zeit in meinem Leben, auf die ich gerne zurückblicke.

Dass ich mich all die Jahre im Haus am Stadtpark verortet fühlte und mich beruflich verwirklichen konnte, habe ich vielen Menschen zu verdanken, die sich aus unterschiedlichsten Motiven für Kunst und Kultur engagierten und engagieren.

Allen voran den Künstleri*nnen, den Kolleginn*en aus der Kunst- und Museumsszene sowie im eigenen Hause, der Bochumer Stadtverwaltung und Politik, den Sammler*innen, Förder*innen und Mitstreiter*innen und insbesondere den Besucher*innen danke ich für ihre langjährige Unterstützung. Ich empfand von Beginn an, dass in Bochum ein besonderes Klima für die Künste existiert – auch in trüben und scheinbar ausweglosen Momenten.

So schaue ich höchst optimistisch in die Zukunft des Bochumer Kunstmuseums, wohl wissend, dass durch Corona keine leichten Zeiten auf uns zukommen.

Neben der Verortung des Kunstmuseums in der Stadtgesellschaft war mir die Vernetzung innerhalb der einzigartigen Museumsszene des Landes NRW sehr wichtig und dabei die der Museen des Ruhrgebietes insbesondere. Im Vorfeld des Kulturhauptstadtjahres 2010 haben wir Kolleginn*en der benachbarten Städte den Verbund der RuhrKunstMuseen ins Leben gerufen – mittlerweile eine kulturpolitische Kraft. Gerade in dieser für die Kultur so schweren Zeit kommt dieser Vereinigung eine wichtige Bedeutung zu

Besonders freue ich mich, die Stafette zeitnah meiner Nachfolgerin Noor Mertens weiterreichen zu können, die mir das Vertrauen auf eine sich positiv weiterentwickelnde Perspektive des Hauses gibt. Sie wird ihr Amt ab dem 1. Juni 2021 offiziell antreten. In der Zwischenzeit übernimmt mein Kollege Sepp Hiekisch-Picard die Leitung und so lange ist das Museum in guten Händen.

Ich bin mir sicher, dass meine bisherigen Begleiter*innen auch der neuen Entwicklung des Bochumer Kunstmuseums folgen werden und weitere Mitstreiter*innen hinzukommen.

Gerne hätte ich mich in meinen letzten Amtstagen in unterschiedlichen Begegnungen im Museum „verabschiedet“ – doch leider lässt das die durch Corona bestimmte Situation nicht zu.

So danke ich Ihnen/ Euch auch auf diesem Weg für alles, was Sie /Ihr mir an Unterstützung meiner Arbeit aber auch mir persönlich haben/habt zukommen lassen und wünsche mir, dass Sie/Ihr dem Kunstmuseum weiterhin die Treue halten/haltet.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr/Euer Hans Günter Golinski

Noor Mertens wird die neue Direktorin im Kunstmuseum Bochum

Noor Mertens, neue Leiterin des Kunstmuseum Bochum, aufgenommen am 11.12.2020. Im Hintergrund links der bisherige Museumsleiter Dr Hans Günter Golinski, rechts Kulturdezernent Dietmar Dieckmann. +++ Foto: Lutz Leitmann/Stadt Bochum

Zum Juni 2021 tritt Noor Mertens die Direktion im Kunstmuseum Bochum an. Noor Mertens, Jahrgang 1984, studierte Kunstgeschichte und Museumskuration in Utrecht und Amsterdam. Seit 2017 ist sie die Geschäftsführung und Künstlerische Leitung des Kunstvereins Langenhagen, ist in diversen internationalen Juries tätig und engagiert sich in der Lehre. Zuvor war sie in Galerien und Privatsammlungen tätig und betreute als Museumskuratorin die Sammlung zur Moderne & Zeitgenössischen Kunst sowie die Stadtsammlung im renommierten Museum Boijmans Van Beuningen in Rotterdam.

Neben ihren facettenreichen Erfahrungen in der Entwicklung innovativer Ausstellungsformate mit internationaler Strahlkraft, qualifiziert Noor Mertens nicht zuletzt ihre Erfahrung, Kunst einem regionalen Publikum zugänglich zu machen und dabei die gesellschaftliche Bedeutung auch in partizipativen Formaten hervorzuheben.

„Die neu renovierte Villa Marckhoff-Rosenstein bietet viele Möglichkeiten, mit der Sammlung zu arbeiten und das Museum noch offener zu machen. Wie können Ausstellungen und Sammlung miteinander verbunden werden? Was für Formen kann Vermittlung annehmen in dieser Kunstinstitution und wie flexibel ist das Medium ‚Ausstellung’ eigentlich? Auf welche Weisen kann das Kunstmuseum Bochum in der Welt stehen? Dies sind wichtige Fragen, die ich von meiner vorherigen Arbeit im Kunstverein Langenhagen und im Museum Boijmans Van Beuningen mitbringe. Das Museumsgebäude und die Sammlung haben einen sehr angenehmen, humanen Charakter, der die Besucherinnen und Besucher nicht klein erscheinen lässt. Dieses menschliche Maß hat mich für diese Stelle begeistert. Ich freue mich sehr, zusammen mit dem Museumsteam und natürlich mit Künstlerinnen und Künstlern andere Perspektiven auf unsere komplexe Gesellschaft zu werfen“, freut sich Noor Mertens über ihre neue Aufgabe.

Auch der Kulturdezernent, Dietmar Dieckmann, freut sich über den Antritt der renommierten Kunsthistorikerin: „Noor Mertens hat uns im Bewerbungsverfahren mit ihrer Erfahrung, ihren innovativen Ideen, ihren Vermittlungskonzepten und ihrer erfrischenden Art absolut überzeugt. Ich bin sicher, dass sie das Kunstmuseum Bochum mit sehr viel Engagement und durchdachten Visionen in die Zukunft führen wird – ein großer Gewinn für Bochum und die bildende Kunst.“

Glücklich und rundum zufrieden zeigt sich auch der nun scheidende Museumsdirektor Hans Günter Golinski: Es ist mir wichtig, dass ich als dritter Direktor des Bochumer Kunstmuseums in Folge nun die Stafette an die Kollegin Noor Mertens weitergeben kann. Mit ihr setzt ein Perspektiv- und Generationswechsel ein, der für die Zukunft des Hauses neue Dimensionen eröffnet. Aus der niederländischen Kunstszene kommend, bringt sie ein Netzwerk mit, dass den künstlerischen Inhalten, aber auch den Formen der Umsetzung sowie der Wahrnehmung des Institutes  verstärkt Internationalität verleihen wird. Als Mensch schätze ich ihre offene und verbindliche Art, mit Menschen zu kommunizieren.  Schon jetzt freue ich mich darauf, als Besucher ihre erste Ausstellung besichtigen zu können.“

Ehemaliger Museumsleiter Peter Spielmann gestorben

Portrait Dr. Spielmann bei der PK zum Neubau Museum, 30. Mai 1983

Am Sonntag, 29. November, ist Dr. Peter Spielmann, langjähriger Leiter des Kunstmuseums Bochum, in seiner Heimatstadt Brno, Tschechien, verstorben. 1969 war er auf Einladung des damaligen Museumsleiters Dr. Leo als wissenschaftlicher Assistent an die Städtische Kunstgalerie nach Bochum gekommen. Nach Leos Tod übernahm Peter Spielmann 1972 die Leitung des Museums.

Peter Spielmann, 1932 in Aussig (Usti) geboren, war nach dem Studium der Kunstgeschichte und Ethnographie an der Masaryk-Universität in Prag zuerst am Städtischen Museum in Brno, danach von 1959 bis 1969 als Kurator an der Nationalgalerie in Prag tätig. In Bochum knüpfte er an die Konzeption einer gesamteuropäischen Sammlungs- und Ausstellungstätigkeit seines Vorgängers an, die nicht vor dem „eisernen Vorhang“ haltmachte, sondern unabhängige Kunst aus Ungarn, Jugoslawien, Polen, der Tschechoslowakei und aus der Sowjetunion zeigte. In seiner 25-jährigen Tätigkeit als Museumsdirektor präsentierte Peter Spielmann mehr als 300 Ausstellungen moderner und zeitgenössischer Kunst. Schwerpunkte waren dabei zentral- und osteuropäische Kunst, die historische Avantgardekunst und imaginative Tendenzen, aber auch Ausstellungen von Doppelbegabungen wie August Strindberg, Peter Weiss und Urs Jaeggi. Gattungs- und medienübergreifende Themenausstellungen zum Spanischen Bürgerkrieg, zur Utopie in der Kunst oder zum Motiv des Todes prägten sein Profil als Ausstellungsmacher. Die Sammlung des Kunstmuseums konnte er maßgeblich erweitern; so fallen bedeutende Ankäufe aus der Sammlung des Bochumer Industriellen Helmut Klinker, aber auch von Werken der Künstler Kasimir Malewitsch, František Kupka oder Frank Stella in seine Amtszeit.

Der Erweiterungsbau des Museums mit seinem multifunktionalen Forumssaal, der 1983 eingeweiht wurde, ermöglichte Peter Spielmann die Realisierung einer Museumskonzeption, die Literatur, Theater, Tanz und Musik mit bildender Kunst verknüpfen konnte. Das Festival der Ausländerkulturen „Kemnade International“, für dessen Gründung er maßgeblich verantwortlich war, entwickelte sich unter seiner Leitung zu einem prägenden Kulturfestival, das als „Beitrag zur Völkerverständigung“ in der Begründung zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Peter Spielmann im Jahr 1996 ausdrückliche Erwähnung fand. Nach dem altersbedingten Ausscheiden aus dem Amt verlegte Peter Spielmann seinen Lebensmittelpunkt nach Brno in Tschechien, wo er noch jahrelang an der Universität Kunstgeschichte lehrte. Am Sonntag, 29. November, ist Peter Spielmann nach längerer Krankheit im dortigen Krankenhaus verstorben.

Kunstwerke rund um das Museum erleben

Bei einem Spaziergang rund um das Museum und im angrenzenden Stadtpark kann man viele spannende Kunstwerke erleben. Hier finden Sie Informationen und Bilder der Werke in der Nachbarschaft des Kunstmuseums – wir laden Sie herzlich ein zu einem virtuellen Rundgang und – wenn Sie Zeit und Lust haben – zu einer wirklichen Erkundungstour.

Zur Bildergalerie (hier klicken)

sichtbar - Katalog zur Präsentation der eigenen Sammlung

Ab sofort erhältlich: Der 144 Seiten umfassende Katalog, der alle Werke der seit 2020 in der Villa Marckhoff installierten Präsentation der eigenen Sammlung umfasst. Mit kurzen Textbeiträgen zu allen Künsttlern und ihren Arbeiten. Für 10 Euro auch ein perfekter Begleiter durch die Ausstellung.