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100 Jahre
Höllenlärm in Bochum
Finissage SCHWANENMARKT I — EXPANDED
29 Jan 2023——— 16:00 bis 17:00 Uhr

Die Ausstellung SCHWANENMARKT I – EXPANDED endet am 29.01 mit einem „Höllenlärm-Konzert“ in Erinnerung an den Komponisten Erwin Schulhoff.
Der Eintritt ist frei!

Am 17. Dezember 1922 gab es in Bochum einen gewaltigen musikalischen Krach. Die Wellen der Empörung schlugen hoch. Bis in die New York Times, die schrieb: „The patience of the town Bochum was sorely tried (…). Strong man who were provided with instruments for the purpose made a noise described in German as a höllenlärm.“ 100 Jahre später erinnern wir daran.

Dr. Dieter Bloch beschreibt den Vorfall als ersten (und letzten) Bochumer Uraufführungsskandal, als „der Prager Komponist Erwin Schulhoff mit seiner Symphonie für Schlagzeug und Orchester nebst 32 Variationen ein regelrechtes musikalisches Happening startete. Unter dem Getöse der großen Theaterdonnermaschine und unter lautem Protestlärm verließen die Zuhörer bis auf eine kleine Schar Unentwegter die Stätte der Tat. ‚Schulz-Dornburg und der Verfasser des Stücks standen leichenblass in den Kulissen‘, berichtete ein Augenzeuge. Und ersterer meinte, nur so könne ein Werk für die Zukunft erobert werden“*.
Diese Zukunft ist JETZT! Der 1894 geborene Erwin Schulhoff ist eine der schillerndsten Figuren der Avantgarde-Musikgeschichte. Er gehörte zum inneren Zirkel der Berliner Dadaisten. Später wurde er Sozialist. Er vertonte Arp-Gedichte und das Kommunistische Manifest. 30 Jahre vor Cages Musikstück 4’33“ experimentierte er bereits mit Stille. Er kombinierte Jazz-Rhythmen und Modetänze mit traditionellen Musikformen und einer atonalen Harmonik. Von den Nationalsozialisten wurde er in dreifacher Hinsicht verfolgt: als Jude, Sozialist und Künstler, dessen Werke als entartet verfemt wurden. 1942 starb er im Internierungslager Würzburg.

*in: Bochumer Aspekte 69 / Ein halbes Jahrhundert Kultur in einer Revierstadt

16:00-17:00 Uhr
Einführung: Dr. Franz-Bernhard Stammkötter
Tilman Wolf spielt: 5 Pittoresken von Erwin Schulhoff
Ausklang: Matthias Schamp
Ab 20 Uhr geht es dann weiter in der TRINKHALLE, Herner Str. 8 in Bochum, mit Erwin Schulhoffs Komunistický Manifest / Op. 82 (1932) aus der Konserve.

Begleitet wird die Veranstaltung außerdem von zwei letzten Führungen durch die Ausstellung. Jeweils um 12:00 und um 15:00 Uhr.