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„ABBILD UND WIRKLICHKEIT“ – Neue Fotoarbeiten von Stefan Hunstein
7 Nov 2020———23 Mai 2021

Stefan Hunstein, Aitutaki, 2013
Stefan Hunstein, Rotjäckchen
Stefan Hunstein, Utopia 1

Die Fotografie ist die Botschaft

Seit seiner frühen Jugend beschäftigt sich Stefan Hunstein mit Fotografie.

In den ersten Jahren haben ihn die fotografischen Arbeiten von Sigmar Polke beeinflusst. Durch Solarisation, Schichtungen und Überlagerung von Motiven, durch Eingriffe in den fototechnischen und chemischen Prozess bei der Entwicklung zeigt sich ein eigener künstlerischer Ausdruck, der nie den Anspruch hat zu dokumentieren. Was dennoch bleibt, ist das Spiel mit dem authentischen Moment der Aufnahme, in dem das Bild gemacht worden ist.

Im Fokus von Stefan Hunsteins Werk steht die Auslotung der verschiedenen Ausdrucks- und Darstellungsmöglichkeiten des Mediums Fotografie. In Anlehnung an Marshall McLuhans These „The medium ist the message“ stellt er die Fotografie selbst in den Mittelpunkt seiner Arbeit: So ist sein Blick in das Innere der Fotografie gerichtet und nicht dem Versuch erlegen, ein Abbild der Wirklichkeit zu erstellen. Das fotografische Bild bewirkt unabhängig von seinen Inhalten eine Veränderung der Wahrnehmung und des Denkens. Es stellt neue Wirklichkeiten her.

Ein tiefer Zweifel an der Abbildbarkeit der Wirklichkeit und ein Misstrauen gegenüber dem Authentizitätsschwindel prägen die Arbeiten, die im Kunstmuseum Bochum gezeigt werden.

In der Ausstellung „Abbild und Wirklichkeit“ werden drei Werkgruppen gezeigt, die sich alle mit der Wirklichkeit des fotografischen Bildes auseinandersetzen. Damit stehen Stefan Hunsteins  Fotoarbeiten stets in Zusammenhang mit gesellschaftlichen, politischen und ästhetischen Fragestellungen.

„Fairy Tales“ aus dem Jahr 2019 sind Bilder von erdachten, möglichen Märchen. Jedem dieser fotografischen Kompositionen ist ein poetischer Satz zugeordnet, eine im doppelten Sinne verstandene ‚Legende’. In dieser Werkgruppe untersucht Stefan Hunstein die Wechselwirkung zwischen Bild und Text. Das Auge schaut zuerst auf das Bild, dann auf den Text. Automatisch verändert sich die Wahrnehmung, der Text lenkt und leitet und führt den Betrachter aus dem Bild heraus in eine literarische Welt. Was hier ein Vorgang der Phantasie ist, ist in anderen medialen Kontexten eine Frage der bewussten oder unbewussten Lenkung, Beeinflussung oder sogar Irreführung.

Im Bildzyklus „Utopia“ entstehen neue Bildkmpositionen aus vorgefundenen Fotografien aus den Gründerjahren der jungen Bundesrepublik. Untersucht werden die gesellschaftlichen Utopien, die nach dem Untergang des 3. Reiches einen Neuanfang begründen sollten, wie zum Beispiel Mobilität, Architektur, Freizeit, Internationalität. Die Konstruktionen werfen in ihren vielfältigen Anordnungen Fragen auf, die direkt ins Heute wirken: Wie wollen wir leben, was zeichnet uns als Gesellschaft aus, welche Werte und Glaubenssätze teilen wir?

Die Arbeiten „Über’s Meer“ aus dem Jahr 2020 beschäftigen sich mit dem Element Wasser.

Die Klarheit der fast monochromen Bilder verleiht ihnen Prägnanz und Abstraktion. Ansichten von Wasser wirken wie herausgenommen aus ihrem realen Kontext der Weltmeere. Und so befreit der Fotograf sie einerseits aus dem Kontext der Wirklichkeit – Verschmutzung, Eisschmelze, Überschwemmungen – und nimmt den Betrachter in die Pflicht, fordert ihn auf, sich dieser Diskrepanz zu stellen: Der Blick auf die Schönheit des Wassers bleibt oberflächlich, wenn er nicht zugleich die Wirklichkeit zu erkunden sucht.

 

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